Aegypten 39
gedenk«, bei der Obrigkeit anzuzeigen; die Unterlassung dieserPflicht ward mit dem Tode bestraft. —Streng und rasch wardGer'echtigkeitspflege geübtz von Menes, Sasychrs,Gcephactus-, Asich is (oder Bochoris) und Amasiswaren geschriebene Gesetze vorhanden; vor einem höchsten Reichs-gerichte wurden alle Prozesse entschieden, welche die Parteien selbst,ohne Sachwalter, aber schriftlich gegen einander führen mußten.Meineid und Mord (auch der eines Sklaven) wurden unerläßlichmit dem Tode bestraft; Verleumder und falsche Ankläger erhieltendie Strafe des angeschuldigten Vergehens; auf Verrath stand derVerlust der Zunge, auf falsarischen Handlungen der Verlust derHände, auf Desertion und Emigration Infamie, auf Ehebruch— Stockschläze. Doch «in königlicher Eabinetsbefehl konnte jededieser Strafen mildern; aber ungeachtet dieser Souverainetäts-rußerungen lag doch der Wille des Herrschers nicht weniger inden Fesseln der Priestermacht, welche selbst für das Privallebs»des Fürsten Gesetze entworfen hatte, und diese Bande nach denUmständen, so wie die feinste Politik der Kirche es wollte, lüftete»der fester zusammenzog. Die Tagesordnung des königlichen Sklavenwar sogar genau bestimmt, und selbst der Küchenzettel, ja sogar dieVerborgenheit des Boudoirs gehörten in den Wirkungskreis der Prie-ster; darum waren sie Leibärzte. — Mit dem allen in Einklangwar die Erziehungsweise: die Kinder wurden sorgfältig zumGewerbe des Vaters angehalten, und in den verschiedenen öffentliche»Schulen von Priestern unterrichtet; Schreiben und Lesen lerntennurWenige; doch waren die Ägyptier daS dritte schreibende Volk,das nach den Babyloniern und Phöniciern die Vorgeschichte nennt.Nachdem sie gleich Liefen zuerst auf Steine und Ziegel geschrieben hat-ten, erfanden sie ein Papier aus der Papierstaude, welches über 20c»Jahre lang, selbst nach der Erfindung des Pergaments, die ganzeschreibende Welt gebrauchte. Diese Kunst ward nur i denen, die zuKaufleuten erzogen wurden, gelehrt, doch auch in sehr beschränktemnothdürftigstenMaße; denn daß daS Bolk nicht zu wissenschaftlich ge-bildet werde, war im Systeme der Priester. — Schon oben gedachte»wir der sonderbaren Eintheilung des Volks in Casten; deren gab eSsieben, nämlich die der Priester, Soldaten, Rinderhirten, Sauh-rken,Gewerbetreibenden, Dolmetscher und Fischer. Diese Abtheilung ent-sprang theils aus dem Locale, da manche Landschaften allerdings nureine bestimmte Lebensart gestatteten, theils war sie Resultat der Prie-sterpolitik, da zür Organisation der Staatsmaschine es nothwendigwurde, daß scharfe Gränzen zwischen den ursprünglichen heterogene»Bestandtheilen der gesammten Nation gezogen wurden. So bezeichne-ten diese sieben Casten eben so viel verschiedene Bölkerstämme, nichtetwa Zünfte; daher kam auch die Erblichkeit derselben (man verzl.d. Art. Caste). — An der Spitze Aller stand die schon oft gedacht«Caste der Priester, als die erste und vornehmste. Sie machtensich aber auch dieses Ranges durch die Verdienste, die sie als Lehrer desVolks, als Bewahrer der Wissenschaften hatten, würdig. Aus ihnenwurden alle Stagtsbedienungen besetzt; sie waren die Arzte, Richter,Baumeister, Astronomen und Astrologen rc. Aber sie hielten ihre^mUniffe unter salomonischen Siegeln, denn diele wurden (und mitRecht) als der geheimnißreiche Talisman ihrerpolitischen Wichtigkeit,rhceS mächtigen Einflusses betrachtet. Sie sollen sogar, neben demallgemeinen Thier- und Bilderdienst derN-tion, sehr helleJdeen vom