Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
73
JPEG-Download
 

Alphons III. 73

ten, die zwar nicht erzwungen, aber erbeten werden kann. Derallgemeine Verpflichtstngsgrund liegt darin, daß das Sittengesetzjedem Menschen die allgemeine Pflicht für alle unvollkommene Näch-jtenpflichren auferlegt: du sollst alles thun, was in deinen Kräf-te» stehe, um die rechtmäßigen Zwecke Anderer zu befördern. Dererste Zweck jedes Menschen aber ist, seine moralisch« Bestimmungaus E.len zu erreichen, und daran wird er durch den Mangelder nothwendigsten Lebensbedürfnisse gehindert. Aus diesem Grun-de, nicht um einer künftigen Belohnn»-, noch sonst eines Neben-zweckes willen, müssen wir mit einem Theile unseres Eigenthum»die Hülfsbedürftigen unterstützen. Vorgeworfene Wohlthaten hö-ren daher auf, Wohlthaten zu seyn. Die Pflicht der Wohlthä-tigkeit aber wird eines Theils durch die Würdigkeit des Bedürfti-ge», andern Theils durch den Wermögensstand des Gebers bestimmt.Der pstichlmäßige Zweck unserer Unterstützung kann kein andererscyii, als dadurch die sittliche Wirksamkeit des Andern möglich zumachen. Sehen wir, das dieser aus unmoralischem Willen sich seineBedürfnisse nicht selbst verschafft, oder daß er von unsern Gaben»inen zweckwidrigen Gebrauch Macht, s" müssen wir ihm unsernBeistand versagen. In' Hinsicht unsers Vermögens aber dürfenwir nur i» dem Maße geben, daß uns noch so viel übrig bleibt, altwir zu nothwendigen und pflichtmäßigen Handlungen nöthig haben.Hieraus lassen sich leicht die Regeln für die Größe der Almosenund für die Beschaffenheit der Personen, die solche vor Andernverdienen, bestimmen. Zugleich aber befolge man den Grundsatz,daß es besser ist, wenigen Armen reichlich als Vielen wenig zu ge-ben, und Armuth zu verhüten als den äußersten Fall abzuwarten.

Aphons III., König von Leon und Asturien, mit dem Bei-namen der Große, zählte erst achtzehn Jahre, als er 866 seinemBarer Ordogno in der Regierung folgte» Nachdem er lange mitdem mächtigen Adel seines Reichs, der mit Eifersucht die könig-liche Würde in einer Familie erblich werden sah, gekämpst undlhn endlich mit Gewalt unter,vorfcn hatte, konnte er seine Waf-fen gegen die äußern Feinde des Reichs richten, und seine Regie-rung durch mehr als dreißig Feldzüge und zahlreiche über dieMauren erfochtene Siege verherrliche». Er setzte über den Durra,brach Coimbra s Mauern, drang bis an den Tajo und in Estbre-madura vor, vergrößerte seine Staaten mit einem Theile Portu-gals und Altcastiliens, und bevölkerte Burgos aufs neue. AVerdurch alle diese große Thaten machte er seine Unterthanen nichtMnedener, und hatte endlich sogar den Schmerz, seinen sigemenSohn Kon Garcia an der Spitze der Aufrührer zu sehen, um unterdem Schein des gemeinen Wohls die Krone an sich z» reißen. Al-phvus aber rückte ihm unverzüglich entgegen, überfiel sein Heer,nahm ihn selbst gefangen, und hielt ihn in strenger Haft auf idem«chloffe zu Gauson. Diese gerecht« Strenge aber empörte die geinzeFamilie, und die Königin Donna Linien» bildete einmächtiges Bündniß zu Garcia's Gunsten, und bewaffnete selbst -ihrebeide» andern Söhne gegen den König. Eist blutiger Krieg zer-r'-. d °as Reich, bis Llphons, von seinen eigenen Söhne» be-ilegt, der Krone entsagte, und sie auf das Haupt Don Garcia'»^ ^ *^ch* ""Er verbüßten Unthätigkeit zu überlnffen,

zog er letzt, als seines eigenen Sohnes Feldherr, gegen die Mau-e», schlug sie und kehrte mit ihrer Beute bereichrrtj zvrück.