74 Alphons X.
Aber nach dieser Unternehmung starb er zu Zamora yi2, in einesAlter von 6g Jahren.
Alphons X.. König von Leon und Castilien, mit dem Bei-namen der Astronom oder der Philosoph, war der SohnFerdinand« des Heiligen, dem er im I. 1252 folgte. Seine Liebesor die Wissenschaften und da« Recht, und der Beiname, Sadio(der,Weise), der ihm beigelegt worden, gaben seinen Unterthanendie Hoffnung auf eine glückliche und friedliche Regierung; aberdie>'e Erwartung ging keineswegs in Erfüllung. Älphops wurdkweher vh» sseiner Familie, noch von seinen Unterthanen, nochauch von seinen Aack-barn geliebt; dagegen hatte seine Gelehrsam-keit und Ber-dsamkei! ,ym in Europa einen solchen Ruf erworben,dass die deut! ven Fürsten selbst seine Ansprüche auf die Kaiserrroiubegünstigt iu Statt sein Augenmerk auf-die Vertreibung der Mau-ren und die Zähmung des Adels zu richten, verschwendete er dieKräfte seines Landes, um ssch 1257 von einem Theile der deutscheiiFürsten »um Kalter erwählen zu lassen. Allein seine Bemühungen,diese Wurde gegen Rudolph von Habtburg zu bchaupken, warmvergeblich, und der P'-pst Gregor X. weigerte sich nicht nur, ihmdie Kaiserkrone, sondern auch Schwaben, auf daS er von Sein»seiner Mutter Beatrix, einer Tochter Kaiser Philipps I., Her-zogs von Schwaben, Ansprüche hatte, zuzuerkennen. WährendAlphons diesen eitel» Ehren nachstrebte, ward sein Thron zugleichvon den Intriguen der Großen und den Waffen der Mauren be-droht. Letztere schlug er in einem blutigen Treffen i2ü.g, entrißihnen Leres, Medrna Eidonia, Sän - Lucar und eine» Theil Al-garviens, und vereinigte Muccia mit Castilien. Aber diese Siezewurden durch einen neuen, 1271 von dem Jnfantcn Philipp erreg-ten Ausstand unterbrochen, dem er erst,nach dreijährigen Bürger-kriegen ein Ende machte. I» der Milde aber, womit er den Aufrüh-rern verzieh, sah man nur einen Beweis seiner Schwäche, und da erjetzt mit Strenge selbst gegen seine Familie zu verfahren begann,empörte sich aufs neue sein Sohn Sancho, und raubte ihm I2SSdie Krone. Alphons suchte Hülfe in einem Bündniß mit den Maa-ren, und starb nach vergeblichen Anstrengungen zur Wiedererlan-gung des Throns 1284. Wenige Könige »sind so unglücklich gewe-sen wie Alphons X., und doch war er der unterrichtetste Fürstfeines Jahrhunderts. Er erwarb sich einen bleibenden Ruhm, in-dem er seinen Unterthanen eine Sammlung von Gesetzen gab, diein Spanien unter dem Namen tban xavriclas bekannt sind, undzum Beweise dienen, daß Alphons, nach Lheodostus und Justi-nians Muster, sich ernstlich mit der Handhabung der Gerechtigkeitbeschäftigte.finden sich in diesem Gesetzbuchs die für jene Zeltmerkwürdigen Worte: „Der Despot reißt den Baum aus, derweise Herrscher beschneidet nur die Auswüchse." Alphons liebt«besonders die Wissenschaften, und ihm verdankt Europa die unterseinem Namen bekannten trefflichen astronomischen Tafeln. Erließ die erst« allaemeine'Geschichte Spaniens, in castilianischer Spra-che abfassen, und die.Bibel übersetzen. Überhaupt trug er zurWiederbelebung der Wissenschaften eifrig bei, und vermehrte j»dem Ende auch die Privilegien und Lehrstellen auf der UniversitätSalamanc«. Sein Betragen indeß und sein Unglück beweisen,baß ohne Festigkeit und Klugheit die Gelehrsamkeit einem Regen-ten unnütz ist.