Anvike r«7
Grafen d'Antraigues stet- als Mitwisser ber wichtigsten Staate-geheimniffe betrachtet hatte; so gab sein Tod zu mancherlei uner>weislichen Vermuthungen Anlaß. Er war ein Mann von außer-ordentlichem Geiste, ausgezeichneten Fähigkeiten und nicht gewöhn-lichen Kenntnissen, aber die unruhige Lebendigkeit seines immerregen Geistes, die ihn ganz und fast einzig in der verwicklungs-vollen diplomatischen Thätigkeit leben ließ, erzeugte auch den auf,fallenden Wankelmuth in seinen Grundsätzen. Er ist als einer derstärksten und beredtesten Publicisten der Revolution bekannt, undzeichnete sich als Schriftsteller durch den Scharfsinn seiner Unter-suchungen sowohl, als durch das hinreißende Feuer seines Ver-trags aus.
* Anville (Jean Baptiste Bvurguignon d'), erster Geographdes Königs, Pensionär der Akademie der Inschriften und schönenKünste u. s. w., war 1697 zu Paris geboren. Eine Landkarte,welche der Ausall ihm als zwölfjährigen Knaben in die Hände führ-te, gab ihm Gelegenheit, seine Neigung für die Geographie zuzeigen. Er sing an, die Länder und Gegenden, deren die römi-schen Geschichtschreiber erwähnen, zu entwerfen, und faßte baldfür diese Beschäftigung eine wahre Leidenschaft. Alle Studien desJünglings waren auf die Geographie gerichtet. Er las die Altennur in der Absicht, die Lage der Städte, von denen sie sprechen,herauszubringen, und die Gränzen der weiten Reiche, wozu wirdie Züge in chrr Geschichte finden, zu bestimmen. Er verfolgt«auf seinen Karten den Marsch der Armeen, und suchte die Schlacht-felder auf, wo einstens das Schicksal der Welt entschieden worden.Seine, von einem edeln Enthusiasmus angefeuerten Studien hat-ten ihm frühzeitig umfassende Kenntnisse in der Geographie erwor-ben; er wurde durch sie bald den angesehensten Gelehrten bekannt,und erhielt in einem Alter von 22 Jahren die Bestallung als kö-niglicher Geograph. Jetzt sing er an, die Masse seiner Kennt-nisse zu sichten und zu ordnen, und dadurch erwarb er sich jenenso feinen Tact, der einem Jnstinct gleicht, der aber bei d'An-villc das Resultat scharfsinniger, mit Berücksichtigung, aller Um-stände gemachten Combinationen war. Fast allenthalben fand seinScharfblick die Wahrheit auf, und schied sie von dem Irrthum.Als Kritiker gebührt ihm der ausgezeichnetste Platz, und durcheine Art von Wunder sind die meisten seiner Meinungen und Ver-muthungen durch spätere Untersuchungen an Ort und Stelle selbstbestätigt worden. Unter feinen Karten für die alte Geographieverdient vor allen seine Karte von Ägypten der rühmlichsten Er-wähnung. Sein Ork>is vererihiis nonis, sein Oihis romilncieshuffen in den Händen Aller sein, welche die alte Geschichte lesen;so auch seine Karten von Gallien, von Italien, von Griechenland.Ein Gleiches gilt von den Karten derselben Länder für die mitt-lere Zeit. Auch seine Karten der neuern Zeit leisten alles, was die^>mals vorhandenen Hülfsmittel verstatteten. D'Anville hat imGanzen 211 Karten und Plane, und 78 Memoiren herausgegeben.Dre natürliche Zartheit seines Körpers hinderte ihn nicht, täg-lich fünfzehn Stunden zu arbeiten; er war einfach und bescheiden,aber für den Tadel vielleicht etwas zu empfindlich. Zwei Jahre vorsemem Tode erlagen seine geistigen Kräfte dem Alter; so endigtekr seine Laufbahn 1782, beinahe 83 Jahre alt. Seine kostbareKartensammlung hatte bereits 1779 die Regierung gekauft.