Baco (Franz) »55
gerichtlichen Untersuchung zu vermeiden wünschte, gestand seineVergehungen, nahm die Gnade der Pairs in Anspruch und bat,daß die Strafe, die man über ihn verhängen werde, sich auf dieBeraubung des hohen AmteS beschränken möchte, das er entehrthabe. Nachdem er durch ein umständliches Bekenntniß die Richtig-keit fast aller gegen ihn erhobenen Klagen eingestanden hatte, ver-urtheilte ihn das Oberhaus, ungeachtet der Verwendung des Kö-nigs und ungeachtet des Antheils, den die Pairs selbst 'an einemihrer ausgezeichnetsten Mitglieder nahmen, zu einer Geldstrafe von40,000 Mund und zur Einkerkerung in den Lower auf königlicheGnade. Außerdem wurde er für unfähig erklärt, je ein öffentli-ches Amt zu bekleiden, im Parlament zu sitzen und sich nur demOrte zu näher», wo der König seine» Hvf hielte. Unstreitig wardies harte Urtheil gerecht für so große Verbrechen; dennoch müs-sen wir zu einiger Entschuldigung derselben hinzufügen, daß ihreQuelle weder Geiz noch Hab.ueht, noch eine voll ge Verderbtheitdes Herzens, sondern vielmehr eine von ander» gemißbrauchteCharakterschwäche war. Züge von Edejmuth und Festigkeit, diesein Leben ebenfalls auszuweisen hat, zeigen deutlich, daß er dieTugend kannte und schätzte. Er ward ihr untreu, weil es ihman Kraft fehlte, die ungerechten Zumuthungen Anderer abzulehnen.Er überlebte seinen Sturz nur wenige Jahre und starb 1626. Wirwenden den Blick ab von diesem traurigen Gemählde der Lebens-umständk und Handelsweise eines von der Natur so herrlich aus-gestalteten Mannes, um ihn auf die unsterblichen Werke seinesGeistes zu richten, wiewohl der beschränkte Raum dieser Blätteruns nur eine flüchtige Betrachtung derselben verstattet. Wir ha-ben schon angedeutet, wie er bereits früh/den Gedanken einergänzlichen Reform in dem System der Wissenschaften faßte. Alleseine Studien, alle seine Bestrebungen gingen dahin. Er übersahden ganzen Kreis der menschlichen Kenntnisse, untersuchte die Be-ziehungen, durch welche sie unter einander verbunden sind, undclassisicirte sie nach den verschiedenen Fähigkeiten des menschlichenGeistes, welche sie vorzugsweise in /Anspruch nehmen. Daher dieElntheilung in Wissenschaften des Gedächtnisses, des Verstandesund der Einbildungskraft. Mit Recht hat man Baco den Vaterder Erperimentalphilssophie genannt, denn er war der Erste, derks suhlte und darthat, daß in allen Zweigen der positiven Wis-senschaften der einzige Weg zur Wahrheit die Beobachtung derNatur sey. Wie diese Beobachtungen kunstmäßig zu leiten, undwie durch sie die Natur zu befragen sey, hat er in mehr.ern Me-thoden aus einander gefetzt. Er behandelt diesen Gegenstand in sei-nem Werke De äiAnirme er auAirienris scicntiainin und demsjvvum M^NINIIN scieiltiarnin. Sein allseitiger Geist hatte diek"n>mtlicke» Wissenschaften studirt, er sah, aus welcher Höbe einessand,, welche falsche Richtungen sie genoinmen, und wie siewieder zur Wahrheit zurückzuführen sey. Betrachtet man ihn als-ucetaphysiker, so zeigt er eben so viel Scharfsinn als Trese inmnen Ansichten von der Thätigkeit der Scelenkrafte, von der-aveenaffoziativn, von den Vorurtheilen, die uns von der Wiegeumgeben, und den Gebrauch der Vernunft hindern. Er setztwii« , utlich das von Aristoteles aufgestellte und von Locke ent-,ste Princip aus einander, daß die Begriffe des Verstandes aus' »Kuchen Eindrücken entstehen. Als Physiker hat er sehr flnnrei-