Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
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Baukunst

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Sinne, die ägyptische in ihrer Düsterheit und Größe, die gothischein ihrer Erhabenheit und Feierlichkeit, die maurische in ihrer phan-tastischen Leichtigkeit, die französische in ihrer Zierlichkeit und Nied-lichkeit u. s. >p. zu schätzen seh, werden wir durch vorurtheils-fccie Vergleichung aller unter einander zu einer Theorie der ästhe-tischen Architektur gelangen, und einen Schatz bewahrter Regel»erhallen, wozu die mißlungenen Versuche sowohl, als die gelunge-nen nützlich werden könne». In allen Fällen aber wird sich folgendeallgemeine Regel bewährt sinken: Nie darf der Künstler seinenZweck unter willkürlichen Formen und Zierrathen verbergen, nochweniger um der Zierlichkeit willen die Zweckmäßigkeit aufopfern. DerZweck muß rein und bestimmt vor Augen liegen, und Alles bis auf diegeringste Verzierung in Bezug auf denselben als nothwendig erscheinen.

Baukunst (Geschichte der). — Die Entstehung der Baukunstverliert sich in das Dunkel des Alterthums, da- eine Wohnung,die gegen Witterung und wilde Thiere Schutz gab, zu den erstenBedürfnissen des Menschen gehörte. Diese früheste» Wohnungenwaren, nach Maßgabe der von der Natur dargebotenen Hüifsmlt,tel und der Bedürfnisse ihrer Erbauer, Hütten, Höhlen und Zelte.Ais aber die Menschen aus dem ersten Zustande der Rohheit her-austraten, sich gesellschaftlich vereinigten, und den Boden, densie bewohnten, zu bebauen ansingen, dachten sie auch darauf, sichdauerhaftere und bequemere Wohnungen zu erbaue» und sie einan-der, .näher zu rücken. Man bearbeitete das Holz sorgfältiger, undverbünd die einzelnen Stämme mit einander, bereitete Ziegel auSWm und Erde, die man anfangs nur an der Luft trocknete, nach-her aber am Feuer brannte, glättete die in der Natur vorhande-nen Steinmsffen, und fügte sie, anfänglich ohne ein Brndungs-chrttel, zusammen. Aus der das Dach tragenden Stütze entstanddie Häule u. s. w. Aber besonder» Fleiß wandte der Mensch imFortgange seiner Ausbildung auf die Wohnungen, die er seine«Göttern widmete. So wie die Wohnungen für ihn selbst großerund zierlicher wurden, erhielten auch die Tempel einen größer»Umfang, und wurden mit Säulengängen, Hallen, Höfen und al-,lcrler Zierrathen ausgeschmückt. — Die ältesten uns bekanntenVölker, bei welchen die Baukunst einige Ausbildung erhielt, sinddie Babylonier, deren berühmteste Gebäude der Tempel deSBeins, der Palast und die schwebenden Karten der Semirami»waren; die Ässyrier, deren Hauptstadt Ninive reich an präch-tigen Gebäuden,war; die Phönicier, deren Städte Sidon, Ty»r»s, Aradus und Seraphta sich durch Pracht und Reichthum aus-znchneren; die Israelitin, deren Tempel als ein Wunder derBaukunst gepriesen wird; die Syrer und Philister,. Dochvon allen diesen Völkern sind keine architektonischen Denkmäler aufuns gekommen. Bon den Jnbiern dagegen sehen wir noch aufder Insel Elephanta und Salsettc unterirdische, in Felsen gehauene^nupel, von den Persern die Ruinen von Persepolis; von de»stShpterv Obelisken, Pyramiden, Tempel, Paläste, Grabmä-»fv; von den Etruskern einige Grabmäler und Überbleibsel vollStadtmauern. Der Charakter jener frühen Baukunst war un-r-^si-^uliche Festigkeit, riesenhafte Größe, verschwenderische Pracht,welche Erstaunen und Bewunderung, aber kein wahres Wohlge«!^n erweckten. Die Griechen zuerst gingen von dem Rohe»Riesenhaften zu edler Einfalt und Erhabenheit über. Unterchnen wetteiferten, nachdem die Ruhe von außen und innen er-