Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
186
JPEG-Download
 

r»6 Baukunst

Grieben sie und zerstörten dar gothische Reich. Diese waren sehtlast allein im Besitze der Künste und Wissenschaften. SaracenischeBaumeister traten m Griechenland, Italien, Sicllien und «»der»Ländern auf; mit ihnen verbanden sich nach einiger Zeit vielechristliche, besonders griechische Meister, und sie stifteten untereinander eine Zunft, die ihre Kunst und Regeln geheim hielt,und deren Mitglieder sich an gewissen Zeichen erkannten. Zn die«ser Periode sind drei verschiedene Bauarten herrschend; die ara,bische, eine eigene, »ach griechischen.Mustcrn gebildete Bauart;die maurische, in Spanien aus den Überresten römischer Gebäudeentstanden, und die ncugothische, welche aus der altgothilchenentstand. Die beiden ersten Bauarten weichen nur wenig von ein-ander ab, vorzüglich aber zeichnet sich die maurische durch ihreBogen in Hufeisenform von der arabischen aus. Sehr verschiedenaber ist die gothische. Swinburn« gibt folgende Unterscheidungs-zeichen an: die gothischen Bogen sind spitzig, die arabischen nacheinem Cirkelbogen gebildet; die gothischen Kirchen haben spiyigeund gerade Thürme; die Moscheen endigen sich in Kugeln, habinhin und wieder schlanke Minarett,, die mit einem Balle oder miteinem Tannzapfen bedeckt sind; die arabischen Mauern sind mitMosaik und Stuck verziert, welches man in keiner alten gothi-schen Kirche findet. Die gothischen Säulen stehen oft in Gruppen,beisammen und sind in einander gewachsen, worüber entweder einsehr niedriges Gebälk angebracht ist, auf welchem sich Bogen er-heben , oder die Bogen stehen unmittelbar auf den Capitalen derGäulen auf. Die arabischen und maurischen Säulen stehen einzeln,und wenn ja einige neben einander angebracht sind, um einen sehr-schweren Theil des Gebäudes zu tragen, so berühren sie sich dochnie einander; die Bogen aber werden von einem starken und dickenUnterbogen unterstützt. Trifft es sich in. einem arabische» Gebäu-de, daß vier Säulen neben einander vereinigt sind, so geschiehtdies durch eine kleine viereckige Mauer unten zwischen den Säulen.Die gothischen christlichen Kirchen sind außerordentlich leicht gebaurunbhaben große Fenster, oft mit bunten Scheiben. In den arabischenMoscheen ist meiftentheilS die Decke niedrig, ihre Fenster sind vongeringer Hdhe und oft noch mit vieler Bildhauerarbeit bedeckt,so daß man das Licht weniger durch sie, als durch die Kuppelnund geöffneten Thüren erhält. Die Thore der gothischen Kirchengehen tief hinein, und sind an den Anschlag- oder Seitenniauernmit Statuen, Säulen, Nischen und andern Zicrrathen geschmückt;die Thor« der Moscheen aber und anderer arabischen, so wie auchder maurischen Gebäude sind flach und auf die Art, wie man dieThore jctzr baut. überdies bemerkt Swinburne, daß er unterden verschiedenen arabischen Capitäle», die er gesehen', keines ge»funden, das in Absicht der Zeichnung und Anordnung denen glei-che, die man in den gothischen Kirchen in England und Frankreichantrifft. Die maurische Baukunst erscheint in ihrer ganzen Herr-lichkeit an dem alten Palaste der mohamedanischcn Monarchen zuGranada, welcher das rothe Haus heißt, und eher einem Zauber-palast als einem Werke von Menschenhänden gleicht. Damals wardie beste Schule der Künste zu Constantinopel; von hier gingen dieKünstler nach allen Gegenden aus. Ganze Gesellschaften derselbensollen die Päpste nach dem Norden geschickt haben, nm die vcr«sallenen Kirchen wieder aufzubauen. Der Charakter der arabrsche»