Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
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Baukunst

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Baukunst war Galanterie und Pracht. Reiche Verzierungen undLeichtigkeit in den einzelnen Theilen machen sie dem Auge gefällig.Die neugothische Baukunst, welche dadurch entstand, daß dre grie-chischen Baumeister dar Plumpe und Schwerfällige der altgothi-lchen durch den Anschein der Leichtigkeit zu verdecken suchten , er.regt tie Phantasie durch ihre reich geschmückten Gewölbe, ihre gro-ßen Perspektiven und ihr heiliges, durch gemahlt« Fenster hervorge-brachtes Dunkel, und gefällt dem Kenner ungeachtet ihrer gänz-lichen Verschiedenheit von den Werken alter griechischer Kunst. Siebehielt von der altgothischen Bauart die hohen, kühnen Gewölbe,die festen und starken Mauern bei, verkleidete sie aber durch man«chcrlei Schnörkel, Blumen, Nischen, durchbrochene Thucmchen,so daß sie leicht und schwach zu seyn scheinen. Man ging darinin der Folge weiter, durchbrach die hohen, ungeheuren Thürme,,daß die Treppen in der Luft zu schweben schienen, gab den Fen-stern eine außerordentliche Größe, und zierte das Gebäude selbst,mit Statuen und Figuren. Dieser Styl, in dem alle Kirche»,Klöster und Abteien erbaut wurden, bildete sich in Spanien, undverbreitete sich von da über - Frankreich, England und Deutschland.Alle diese Länder besitzen bewundernswürdige Denkmäler gothischer-Baukunst. — Die Deutschen waren bis auf Carl den Großen mitder Baukunst unbekannt geblieben. Di-ser beförderte auch in An-sehung rhrer die Cultur seine« Volks; er baute zu Aachen, An-gelheim und andern Orten große Gebäude und schöne Schlösser,wozu er den in Deutschland noch unbekannten Marmor aus Ita-lien brinaen ließ. Aber trotz der Bemühungen des großen Kaisers'konnte die Baukunst sich erst unter Heinrich I. heben. Unter ihmwurden die Städte größer nnd reicher; man umgab sie mit Mauern,baute Kirchen und andere öffentliche Gebäude von Stein, undschmückte die Kirchen mit Kunstwerken und köstlichem Geräthe. DirBauart dieser Zeit war gotbiich, und nähert sich der alten, gothi-schen Art eben so sehr als der neuen, wie die merkwürdigen Über-reste einer Kirche zu Memlcben an der Unstrut beweisen, die zu-Heinrichs Zeiten erbaut wurde, und weder ein schwerfälliges, noch einmit vielen Verzierungen besetztes Gebäude ist, an dem sich die schönsteHarmonie, die beste Anordnung u»d das richtigste Verhältniß derTheileoffenbart. Die neugothiscke Baukunst erhielten die Deutschen un-streitig aus Frankreich. Der Bischof Werner zu Straßburg ließickrg den Grund zu dem berühmten Münster daselbst legen, derrr?-; bis an den Thurm vollendet wurde. Den Thurm beganndarauf 127Ü Erwin von Steinboch, und 1438 vollendete ihn Jo-hann Höltz (s. straßburaer Münster). Außer diesem Münster sindin Deutschland besonders nur noch zwei Kirchen aus dieser Periodemerkwürdig: die Stephauskirche zu Wien, 1140 von Heinrich I.begonnen und 1360 von Rudolph IV. vollendet, und die Sebal-duskirche zu Nürnberg. Viele alte Kirchen aber wurden um dieseZeit theils verschönert, wie der Dom zu Meißen, theils neu ge-baut, wie der Dom zu Magdeburg. Italien hatte die neugothi-sche Bauart noch nicht aufgenommen, erst nach und nach machteman sich von dem unter Thcodorich herrschenden Geschmack los.Gegen das Ende des elften Jahrhunderts ward die Warcuskir-A I" Benedig von einem Baumeister aus Constantinopel aufge-führt; die Kathedrale zu Pisa begann 1074 der damals berühmteA^Mche Baumeister Busgretto da Dalichio; ähnlich« groß« Werkewurden zu Bvnonicn, Modena, Ferrara, Rom, Bologna, Fl»>