188 Baukunst
renz unternommen. Unter den damaligen Baumeistern wär Jacob,ein Deutscher, den die Italiener Lapo nennen, vorzüglich berühmt.Er baute das Francistanerkloster zu Florenz, sein Sohn oderSchüler Arnolfo aber ebendaselbst die Kirche des heiligen Kreuzetund machte den Riß zu der Kirche Santa Maria de- Fiori. -Bon den Kirchen und Abteien ging die neuzothische Bauart auchaus andere Gebäude als Schlösser, Paläste, Brücken und Stadt-thore über. In Mailand wurde« sechzehn Stadtthore von Mar-mor und viele neue Paläste, in Paoua sieben Brücken und dreineue Paläste, in Genua zwei verschlossene Häfen und eine präch-tige Wasserleitung, und die Stadt Asti rsM fast von Grund ausneu erbaut. Immer mehr erhob sich die Baukunst in Italien,besonders im raten Jahrhundert. Gqleäzzo Visconti endigte diegroße Brücke zu Pavia, und erbaute einen Palast, der feines Glei-chen noch nicht hatte. Um dieselbe Zeit ward der bewunderte Domzu Mailand aufgeführt. Die Markgrafen von Este bauten zu Fer-rara, und Albert den prächtigen Palast zu Belfiore; in Bononleilfing man die große Kirche des heiligen Petronius und in Florenzden berühmten Thurm der Domkirch« an. Am »orthetlhafteften zeich-nete sich das fünfzehnte Jahrhundert aus. Die Herzoge von Fer-rara, Bors« und Hercules von Este ermunterten die Baumeisterzum thätigsten Eifer. Herzog Franz verschönerte Mailand mitdem herzoglichen Palast, dem Eiste! Porta dr Giova, dem Hos-pital und andern großen Geoäudcn; Ludwig Sforza errichtete dasAniversitätsgebäude zu Pavia und das Sazareth zu Mailand. DiePäpste verzierten Rom, und Loren; von MediciS Florenz mit herr-lichen Gebäuden. Ihrem Beispiele folgten mehrere kleinere Für-sten und Herren. Diese Aufmunterungen erweckten den guten Ge-schmack wieder; man kehrte zu den Denkmälern des Alterthumszurück, und studirte an ihnen die schönen Formen und richtige«Verhältnisse. Die berühmtesten Baumeister dieser Zeit waren Ki-lippo Brimelleschi, der zu Florenz die Kuppel des Doms, die Kir-che S. Spirito und den Palast Pitti, außerdem viele Gebäude zuMailand, Pisa, Pesaro und Mantua errichtete; Baptist» Alber-ti, der zugleich über die Baukunst schrieb; Bramanre, derbe«Bau der Peterskirche begann, und Giocondo, der vieler in Frank-reich baut«, und später nebst Raphael dem Bau der Petersk-rchevorstand. Diesen Männern, welche die Bahn gebrochen hatte«,folgten andere, die in ihrem Geiste weiter strebten, ein Palladio,Bincent Scamojzi, Serlio, Jacob Barozzio, unter dem NamenWignola bekannt. Sie sind die Begründer des noch jetzt in derBaukunst herrschenden Geschmacks. Daß sie indeß ihre Kunst anWerken des Alterthums sindirten, die sich schon weit von ihrerersten Reinheit und erhabenen Größe entfernt hatten, beweisen anihren Gebäuden die vielen Berschröpfungen, die runden ausgeschweifte«und getheilten Giebel, die gekuppelten Säulen, Postamente undandere Dinge, welche die Kunst zu PerikleS Zeiten nicht kannte.So halte in Italien eine neue Periode der Baukunst begonnen.Italienische Meister und nach Italien geschickte junge Künstlerbrachten den römischen Geschmack in's Ausland, der nach undnach an die Stelle des gothischen trat. Seitdem erfuhr die Bau-kunst in verschiedenen Ländern Europa'S noch mancherlei Schicksa-le; sie stieg und siel in verschiedenen Perioden; doch äußert sich >«der neuesten Zeit allenthalben ein rühmliches Bestreben, die Kunst