Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
214
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2i4 Begeisterung

standeS ist daher da- in dem Wesen des Genius begründete na- .

türliche, und nur momentan aufgehobene Gleichgewicht einer be- ,

wußtlosen Kraft, welche gleichsam insrinctmäßig bildet und gestaltet, »

und des Bewußtseyns, welches die Idee beim Bilden vorhält. ,

Letztere^ zeigt sich an dem Kunstwerke durch seine Anordnung und c

zweckmäßige Eiyn'chtufig, in 'Beziehung auf die ihm zum Grunde ,

liegendes Idee,, so wie :m Gegensatze der Verworrenheit und Zü-gelloflgkei't, welche im Traume und im schlechten Werke herrscht; ^

erst,re in hex Unendlichkeit, harmonischer Beziehungen, welche da§ t

.Kunstwerk^in. sich trägt,, ohne einen bestimmten äußern Zweck und ^

Abüchtlichkest in siiiker Zusammenstellung zu verrathen. Man z

kann aber Momente der Begeisterung unterscheiden, ob-wohl Niemals altz in der Zeit geschieden bestimmen. Denn erstlich e

faßt der Künstler irgend einen Gegenstand in idealischcm Lichte auf, z

und dieser setzt seine Fräste in außerordentliche Regsamkeit; da«» ,

bildet ihn die Phantasie in seine Theile vollkommen aus, und doi >

innerlich angeschaute Bild wird endlich in einem anschaulichen Dar- s

stellungsmittel (Sprache, Ton, Gestalt), lebendig und äußerlich; l

die Fülle der innern Anschauung treibt zur Mittheilung. Im !

Regsamkeit der Kräfte aber, die.hier, ohne der Willkür unter- ;

werfen zu seyn, das in sich Vollendete so sicher und leicht hervor- l

bringt, daß ihre Products den Künstler selbst überraschen müsse«,der sich von diesem Zustande keine Rechenfchqst zu geben weiß, hat !Man schon im Alterthume einer höheren Eingebung zugeschrieben, -

vermöge welcher der Künstler gleichsam als Organ der Gottheit ;

wirke, und daher auch behauptet, der Künstler werde gebe- ,

r en. Wie nun das wahre Kunstwerk selbst eine lebendige Rege! ,

für sich ist, ohne die Regel unmittelbar zu lehren und hervorleuch- l

ten zu lassen, so ist des wahren Künstlers Begeisterung keine, i

das schöne Gleichgewicht des Geistes aufhebende Aufwallung, die >

sich mit Sturm' und Drang, durch Thränen und Konvulsionen,oder durch andere Wirkungen eines jeglichen Weinrauschcs anku«- ldigt, sondern die tiefe, mit Ruhe wohl bestehende Bewegung, <und der LranZ eines harmonischen Gemüthes, dem das Maß >des Schönen zur natürlichen Form seines Wirkens geworden ist, i

bei Bildung und Darstellung eines harmonischen Werkes. Auch l

leuchtet ein, daß derjenige,' welcher ein reichhaltiges harmonische« <

Werk hervorbringen soll, einen Reichthum von Ideen und An- r

schaumigen überhaupt schon in sich tragen müsse, welche in °ek >

Begeisterung nur leichter und freier zuströmen und sich entwickeln, e

keineswegs abev überhaupt erst in diesem Zustande ohne Zuthu" i

des Künstlers entspringen, weßhalb manche, um ihrem Gedanken-mangel abzuhelfen - sich durch künstliche Mittel in Begeisterung szu versetzen streben. Ist aber die Begeisterung des Künstlers I

nothwendig eine stürmische Aufwallung, sondern tiefe, energi- cfche Regung der productiven Kräfte des Gemüthe«»so kann sie, obwohl nicht immer.in gleichem Grade, .herrsche""Stimmung des Künstlers seyn. Übrigens ist die Begeisterung 'Künstlers auch nach der wesentlichen Verschiedenheit der Kunn -

und Kunstgattungen verschieden, indem z. B. die bilden ^

Kunst eine hohe Regsamkeit der durch Raturanschauung .esttwm - ,

ten Einbildungskraft, die Tonkunst eine ungemeine Elasticität ,

Gefühles, welche in harmonischen Tönen ihren Ausdruck st" - §

voraussetzt. Überall aber ist kein wahres Kunstwerk ohnc^»'