Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
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Bembo 22l

Pflicht jeder Theorie zu seyn scheint, ihre Grundsätze so streng undso unwandelbar als möglich aufzustellen, weil die Ausübung der-selben ohnehin durch die der menschlichen Natur einmal inwohnendeSchwachheit und Gebrechlichkeit schon genug gefährdet zu werdenpflegt; so müssen wir auch in der Erziehungswissenschaft jedeBelohnung für erfüllte Pflichtleistungen als verderblich aufzu-stellen, und streng vor derselben, als vor einem dem Zweckegänzlich entgegengesetzten Mittel, zu warnen suchen Überhaupt,dünkt uns, dürste jede Erziehung ^nd jeder Unterricht auf durch-aus schlechten Grundsätzen beruken, die eigentliche Belobnungenund Bestrafungen zur Grütze ihres pädagogischen Strebens machenwollten. Denn wir sind davon wie von der unumstößlichstenWahrheit überzeugt, daß da, wo nicht schon durch reinsitclrcheBeispiele das moralische Gefühl und die practische Handlungsweisein den Kindern gebildet, und gleichsam zür Gewohnheit und an-dern Natur geworden ist (in welchem letzter» Falle durchaus wederBelohnung noch Bestrafung, weder Lob noch Tadel vonNdthenfind) von einer eigentlichen Erziehung und Bildung zur Hähernweltbürgerlichen Tugend durchaus nicht die Rede seyn könne.

Bembo (Pietro), einer der berühmtesten Gelehrr.n undSchriftsteller Italiens, welche das löte Jahrhundert verherrlichthaben, war zu Venedig im Jahr 1470 geboren. Er war achtJahr alt, als sein Vater, der als Gesandter nach Florenz ging,ihn dahin mitnahm. Hier begann er bereits sein Studium derlateinifchen'Sprachc, das er nach seiner Rückkunft in Venedig voll-endete. Die Begierde, auch die griechische Sprache zu erlernen,führte ihn 1492 nach Messing, wo damals der berühmte Constan-tln Lascaris sich aufhielt. Zkvci Jahr- lang besuchte er mit Er-fer die Lehrstunden dieses geschickten Meisters, und kehrte alsdannin sein Vaterland zurück, wo er, um die vielen an ihn gerichte-ten Fragen über den Ätna auf einmal zu beantworten, eine Schriftüber diesen Vulkan abfaßte. Er ging darauf nach Padua, um sei-nen philosophischen CursuS zu machen, und wollte dann, nachdemWcllen seines Vaters, in die Laufbahn der öffentlichen Geschäftetreten; aber bald fand er Mißbehagen daran, und widmete sich,ganz der Cultur der Wissenschaften. Er trat in den geistlichenStand, der ihm einen ruhigern Wirkungskreis eröffnete. Zu Fer-rara, wo er seine philosophischen Studien vollendete, verband^crsich genau mit Hercules Strozzi, Libaldeo und besonders mit Sa-dolet, der für immer einer seiner liebsten Freunde blieb. Er ge-,wann auch die Gunst des jungen Fürsten Alphons von Este, undals dieser Fürst sich igos mit der berühmten Lucretia Borgia, derRochier Papstes Alexander VI-, vermählt hatte, erwarb Bembo ingleichem Maße und auf noch andere Weise auch das Wohlwollendieser Fürstin. Von Ferrara kehrte er nach Venedig zurück, woüch >n dem Hause des Aldus Manutius eine gelehrte Akademie ge-vudet hatte. Bembo ward eines der vorzüglichsten Milglieder der-!^wen, und fand eine Zeit lang Vergnügen daran, die schönenAusgaben zu corrigiren, die aus dieser berühmten Druckerei her-orgmgen. Nach einem Besuche in Rom, wo sein Glück nochuyt gereift war, begab er sich 1506 an den Hof von Urbino, der«anials einer von denen in Italien war, wo die Wissenschaften am^ Ansehen standen. Er verlebte hier ungefähr sechs Jahreo erwarb -sich mächtige Freunde. Er war im Jahre 1512 Julius