Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
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243
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Bettinelli 24z

Dinge fällen, von denen uns die Sinne benachrichtigen. DieSinne thun weiter nichts, als daß sie uns die Eindrücke überlie-fern, welche sie empfangen, und zwar auf dieselbe Weise, wie siesie empfangen. Wir aber setzen entweder zu diesen Eindrucken et-was hinzu, was uns nicht von ihnen überliefert worden ist, oderwir nehmen in Gedanken etwas davon ob. In beiden Fällen liegtes allo an uns, wenn unser Urtheil nicht mit dem Gegenständeäußerlich übereinstimmt. Man sieht z. B. in der Dämmerung ei-nen Baum für einen Menschen an, und scheut sich alsdann nicht,das Äuge eines Betrugs zu beschuldigen. Allein wenn wir nichtmehr in unser Urtheil aufgenommen hätten, als was uns wirklichdurch die Sinne überliefert worden wäre, so würden wir bloß ha-ben sagen muffen, daß der Gegenstand, den wir gesehen,-uns einBaum geschienen hätte. Daher sagt Kant sehr bestimmt: „manlagt zwar richtig, daß die Sinne nicht irren; aber sie irren sichnicht, nicht darum, weil sie jederzeit richtig urtheilen, sonderndarum, weil sie gar nicht urtheilen. Daher sind Wahrheitsowohl als Irrthum, mithin auch der Schein, als die Ver-leitung zum letzrcrn, nur im Urtheile, d. h. nur in dem Verhält-nisse des Gegenstandes zu unserm Verstände anzutreffen." An ei-nem andern Drte drückt sich dieser Schriftsteller also aus: „dieWahrnehmung der Sinne (empirische Vorstellungen mit Bewußt-seyn) können auch innere Erscheinungen heißen. Der Verstand, oeehinzukommt, und sie unter eine Regel des Denkens verbindet (Ord-nung in das Mannichfaltige hineinbringt), macht allererst darausempirische Erkenntnisse, d. h. Erfahrung." Es liegt also an demseine Obliegenheit vernachlässigenden Verstände, wenn er keck ur-theilt, ohne zuvor die Sinnenvorstellungen nach Begriffen geord-net zu haben, und dann nachher über die Verworrenheiten der-selben klagt, die der sinnlichen Natur des Menschen zu Schulden

kommen müssen. Dieser Vvrwurf trifft sowohl die ungegründeteKlage über die Verwirrungen der äußern als der innern Vorstel-lungen durch die Sinnlichkeit. „ . ,

Bettinelli (Lavier), einer der berühmtesten italienischenLiteraturen des achtzehnten Jahrhunderts, geboren zu Mantua,1718. Nachdem er unter den Jesuiten in seinem Baterlande undhu Bologna studirt Hütte, trat er t"Z 6 in das Noviziat diesesOrdens. Er macht? darin einen neuen Studiencursus, undlehrte dann von i 7 gy bis 7744 die schönen Wissenschaften zuWrescia, wo der Cardinal Quirini, der Graf Mazzucchellk , derGraf Durandi und andere Gelehrte eine glänzende Akademie bil-deten. Er sing an, sich hier durch einige für die scholastischenÜbungen abgefaßte Poesien bekannt zu machen. In Bologna, wo-hm er die Theologie zu studircn gegangen war, fuhr er fort,sein oichterisches Talent auszubilden, und schrieb für das ^.heaterdes CoUegilimS seine Tragödie Jonathan. Hier fand er un-Aleich mehr Gelehrte und Literatoren als in Brcscia. Das vonGrafen Marsigli gestiftete Institut, die clementinische Zerchen-Uadeiytc, die Schule 'des als Dichter und Astronomen berühmtenR-mfredi, der steigende Ruf seiner kenntnißreichen und geistvollenUuler, eines Zanotti, Algarötti u. A., zogen damals die AugenS^hrten Welt auf Bologna. Mitten in diesem Verein, ,nwf-chen er Eingang fand, vollendete Bettinelli seine Bildung, undReichte sein dreißigstes Jahr. IM Jahre 1748 ging er nach V-«