2 So Bild
überkommt und den materiellen Stoff in einen geistigen Derivat»delt. Ästhetisch und artistisch genommen, ist Bild die sicht-bare Darstellung oder Vorstellung eines körperlichen oder verkör-perten Gegenstandes, welches seinem Urbilbe in allen seinen Thei-len nach seinen sichtbaren Äußerungen mit treuster Angemessen-«!nachgeahmt ist. Diese Darstellung ist auf verschiedene Weise mög-lich, je nach dem sie durch verschiedene räumliche, an Stoffen ange-wandte Mittet bewerkstelligt wird, entweder für dar Gesicht alllein, oder für das Gesicht und physische Gefühl zugleich (s. Bild-nerei). Man kann daher eine Zeichnung, einen Kupferstich, eisGemählde, eine Statue, jedes andere Bildwerk aus Thon, Holj,Metall und Stein ein Bild nennen, obschon man häufig »orz»g«-wcise die Gemählde so nennt. Nun nimmt aber der Künstler daiUrbild seiner Darstellung entweder aus der Wirklichkeit oder aal»er Einbildungskraft, und in jedem dieser beiden Fälle ist sei»Verfahren, wie seine Wirkung verschieden. Wo er da- Urbild i»»er Wirklichkeit vor sich hat, da wird nur eine mittelbar berver-bringende (reproduktive) Einbildungskraft bei ihm in Thätigkeitgesetzt; ein solches Werk wird nämlich eine bloße Abbildung, andie man nur die Foderungea der Wirklichkeit zu machen hat, >«»hingegen nur das Urbild vor der Seele des darstellenden Künstletschwebt, da ist die eigentliche produktive (unmittelbar hervorbrin-gende) Einbildungskraft in Thätigkeit, und hier stellt sich als»«aS Ästhetische von'selbst ein, weil der Stoff dadurch, daß die M-ductive Einbildungskraft denselben erst gänzlich bilden, ihn da«»um - und ausbilden und ihn zuletzt mit dem lebendigen Ge-präge des Menschlichen ausprägen muß, Bedeutsamkeit erhält, u»ödann, weit entfernt, ein bloßer roher Stoff zu scheinen, vielmr-ials eine vollendete menschliche Natur, als ein rein in sich abg<-schlosseneS Ganzes sich darstellt. Diesem nach scheint es, als o»man vorzugsweise nur die sichtbare Darstellung eines Gegenstan-des «in Bild nennen könne, i» so fern sich nämlich in dieser Dar-stellung die produktive Einbildungskraft zu erkennen gibt, da hin-gegen die reproduktive Einbildungskraft kein Bild, sondern nnieine Abbildung liefert. Jedes Bild muß nothwendiger Weise nichtoder weniger Abbildungen enthalten, nicht aber jede Abbildung ist«in Bild. DaS Bild nämlich muß zweierlei Eigenschaften in Mfassen, nämlich eine artistische und eine ästhetische. Durch die an
tistischen Eigenschaften müssen die Wirklichkeit-»Federungen, darH
die ästhetischen hingegen der Schönheitssinn befriedigt werden. Je-nes geschieht durch genaue Beobachtung des physischen und phM'kvgkschen Bildes; dieses hängt von den Gesehen der Einbildunge-kraft selbst ab. Der reproduktive Künstler hat alles gethan, w«°ihm oblag, wenn seine Darstellung anschaulich, rein objectiv, atz»dem in der Natur physisch vorhandenen Urbilbe getreu und in ly-ren Verhältnissen richtig ist. Der produktive Künstler H"M'hat zwar alle diese Pflichten ebenfalls auf sich, weil ohne v>-seine Darstellung ein Unding seyn würde; allein er soll uns neqüber dieses alle- eine LotalaNschauung verschaffen, durch weichelein seine Darstellung als ein in sich geschlossenes Ganzes erschew"kann, welches in dieser Ganzheit dem Sinn« faßlich und angene?ist und das Gemüth durch Bedeutsamkeit ergötzt. Außer den »angegebenen vier verschiedenen Rücksichten, unter welchen w>r .Ergriff Bild betrachtet haben, müsse» wir -irr noch «roer s»!