Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
285
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Bildungstrieb Blorr 283

chanischen Einzelnheiten sichtbar werden. Und somit entstand, wiegesagt, der vierte Styl, oder die Periode der Nachahmung. Danun die Bildnerei auf diesem Wege immer tiefer und tiefer sank,so leistete man nach und nach gänzlich Verzicht darauf, sich Idealezum Borwurfe der Kniest zu schaffen; man begnügte sich im Ge-gentheile damit, porträtirte Köpfe und Brustbilder hervorzubrin-gen. So findet man z. B. sehr schöne Köpfe des Macrinus,Septimius Severus und Caracalla. Aber der Werth derselbenbesteht allein im Fleiße. Die Künstler der frühern, schöner» Pe-rioden hatten die kleinen Theile der Natur vernachlässigt; dieKünstler dieser letzter» Periode hingegen verwendeten den größtemFleiß darauf. Das ging so weit, daß man in dem Jahrhunderte,in welchem der Bogen des Septimius Severus errichtet wurde,sogar an den ibealischen weiblichen Figuren, an den Trophäentragenden Victorien, die Adern ausdrückte.

*Bildu»gstrieb. So nennen die Naturlehrer die in al-len organischen Körpern wirksame Kraft, eine beson-dere Bildung und Form von innen heraus anzunehmen (iii-rus koiMLnäi oder yisus korinativns). Diese Kraft zeigt sichoffenbar durch Selbstbildung und Selbsterhaltung, in-dem der organische Körper verschiedene Körper in sich aufnimmt(die Nahrungsmittel), sich dieselben aneignet, das Fremdartigeabsondert, Verlorne Theile wieder herstellt (durch Ernährung), undso sich ernährt, erhält, und als organisches Individuum be-stimmter Gattung fortbildet und aufwüchset; eben so in derErzeugung eines neuen GattungsindividuumS durch Verbindungzweier Individuen verschiedenen Geschlechts (Fortpflanzung derGattung), indem also der organische Körper nur ein Wesen sei-ner Gattung erzeugt, und nicht aus seiner Gattung herausgeht.Siehe Blumenbach über den Bildungstrieb (Göttingen i/yy;bergl. Kants Kritik der Urtheilskraft, 2 Theile.) Auf eineähnliche Weise redet man auch von einem geistigen Bildungs-triebc, oi»r einem natürlichen Streben des Menschen, eine geistigeIndividualität zu erlangen, zu behaupten, seine geistigen Anla-gen nach dem Ideale der Menschheit eigenthümlich zu entwickeln,und insbesondere die von außen aufgenommenen Stoffe oder Ein-wirkungen zu seinen bewußtem Zwecken zu benutzen und zu be-orderten.

*Bion, aus Smyrna gebürtig, ein griechischer Jdyllendich-rer, von dessen Lebensumständen sich nirgends einige Nachricht sin-vet. Aus der Elegie, welche sein Freund und Schüler Moschusoul seinen Tod verfaßte, scheint hervorzugehen, baß er ein Zeit-l-» , ^^vkritS gewesen und an Gift gestorben sey. Wahrschein-lich lebte er in Sicilien oder Großgriechenland. Von den weni-gen auf uns gekommenen Gedichten des Bion wird sein Klagge-für das vorzüglichste gehalten. Er ist vielfältigdeutsche übersetzt worden, unter andern auch von Boß. —? nennt uns das griechisch« Alterthum einen berühmtenBion, welcher zn Borysthene am Borysthenes u»ge-Chr. Geb. geboren war. Er ging nach Athen,stch an den KrateS an, und folgte anfangs der Lehre der>philvsophirte er auf seine eigene Weise. Sei»«üb-,. gegen Untersuchungen über die Natur der Götter,

» die Vorsehung, und gegen die andern Fragen der Art brachte