Boerhaave 2yy
Werke über die Medicin nach der Zeitfolgc, indem er «on seinenZeitgenossen bis zum Hippokrates hinaufstieg, dessen hoher Werthund einzig richtige Methode ihm dadurch recht einleuchtete. Erstudirte ebenfalls die Botanik und Chemie, und ward, obwohl ersich noch immer dem geistlichen Stande widmete, ikyz zu ^arder-wick Doctor der Medicin. Seine Disputation war äs '"ilir-rrs
seiner Rückkehr nuch Leyden entschred er,sich, d.i man Zwerfel ge-gen seine Orthodoxie erregte, völlig für die M-'dicrn. Im ^ahre1701 machte die Universität Leydcn ibn zum Lector und Repeten-ten für Drelincourts Lehrstuhl der Lb-wrie der Medicin, und da-mals hielt er seine erste mediciniscbe Rede äs vomirienssanua oru-äic> ssippooraiico, worin er, noch in dem ersten aus des Hlp-pskrates Schriften geschöpften Enthusiasmus, die Richtigkeit dervon diesem großen Manne befolgten Methode beweis't, und dreausschließlichen Vorzüge derselben darthut; wohl ihm, wenn erselbst sich in der Folge nie davon entfernt hätte. Voerhaavc fingdamals an, die großen Eigenschaften zu entwickeln, die ihn alSLehrer ausgezeichnet haben, und ihn allen, die sich dem Unterrichtewidmen, zum Muster aufstellen: genaue Definitionen, durch einestrenge Methode verbundene und dem Zuhörer in der natürlichstenOrdnung vorgetragene Ideen, ein schöner und lebendiger Vertrag, >ernste und einnehmende Einkleidung, und vornehmlich die Kunst,deren er sich bis zum Mißbrauch bediente, das Bekannte zur Er-kenntniß des zu Erforschenden anzuwenden, selbst wenn die An-wendung nicht statthaft war. Er wurde bald der berühmtesteLehrer von ganz Europa, und man strömte von allen Seiten her-bei, ihn zu hören. Im Jahr 170Z wollte ihn die Universität vonGröningen zu sich ziehen; aber Boerhaave blieb in Lcyden, ob-gleich er daselbst noch nicht wirklicher Professor war. In demsel-ben Jahre hielt er, indem er auf den Wunsch 'seiner Schüler auchden praktischen und chemischen Cursus zu wiederholen übernahm,«ine andere Rede: äs usw ratiosinii irieclianici in ineäicina,Leyden 1703. Hier sängt er bereits an, sich von dem-hippokratischenWege, den er früher so richtig gerühmt hotte, zu entfernen, undstellt die ersten Lehrsätze des fehlerhaften Systems auf, dem seinegroßen Talente ausschließlich Eingang verschaffen sollten. AisBoerhaave an die M-dicin ging, hatten die Naturwissenschaftendurch Baco's neue Philosophie und die Schöpfung vcr Experimen-talphysik große Fortschritte gemacht; sie bcschäitigten alle Köpfe;dagegen hatte die Heilkunst wenig gewonnen. Man verkannte nochimmer, daß vom ersten Ursprünge an Hippokratcs auf diese Wis-senschaft eben jene Philviophie angewendet habe, welche alle Ge-lehrte enthusiasmirte. Ihre Theorie schwankte noch immer zwrrschen mehreren, gleich weit von der Wahrheit entfernten Dogmen.Die Chemiker, die nach dem Wiedererwächen der Wissenschaften inEuropa die lange Herrschaft der pallenischen Lehre gestürzt hatten,wußten sich selbst gegen die Secte der Mechaniker und Bellini'sverwahren. Diese beiden Secten theilten sich in das Reich derMedicin. Nur in einem kleinen Theile Deutschlands führte Stahlwe Geister zu der vernunftgemäßen Philosophie des Hippokrakc«k schrieb alle Bewegungen der thierischen Ökonomie eine«verselben inwvhnendcn und von den allgemeinen Kräften der Ma-nne verschiedenen Kraft zu; verhinderte aber, indem er sich einc«