Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
303
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Böhme

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widersteht. Dieses Stückchen Holz nennt man den Balken; vonEinigen wird es auch die Seele genannt.

»Böhme oder Bö hm (Jacob), einer der berühmtesten Theosophenund Mystiker. Er war 1575, zu Altseidenberg,.einem Dorfe in der Ober-lausitz, unweit Görlitz, geboren, wo seine Ältern arme Bauersleutewaren. Bis in sein zehntes Jahr blieb er ohne allen Unterricht, undmußte, wie anderer Dorflinder, das Vieh hüten. Schon hier regtesich, in dem Anschauen einer reichen Natur und ohne fremde Anregung,eine Fülle ungemeiner Geisteskraft, namentlich eine lebendige Phan-tasie, die ihn rastlos beschäftigte, und ein tiefes frommes Gefühl,wodurch sich ihm bald, erhoben über seine Umgebungen und unge-stört von äußerer Einwirkung, ein ungetrübter, leicht reizbarerGinn für das Übersinnliche und Geheimnißvolle an den Dingenund damit eine höhere Welt ausschloß, so daß er in den Einwir-kungen der Natur auf sich eine Offenbarung Gottes empfand, undsich im Dränge seine- religiösen Sinnes und hohen sittlichen Selbst-gefühls einer höher« Eingebung theilhaftig hielt. Natürlich mußteer bei der herrschenden religiösen Stimmung seines Gemüths auchin den äußern Begegnissen seines Lebens höhere Winke erblicken,als Andere. Zur Entwickelung dieses stets auf das Überirrdischegerichteten Sinnes wirkte gewiß der Unterricht, welchen ihm seineÄltern, um ihn zu einem Handwerke vorzubereiten, in der Schuleertheilen ließen, nicht wenig. Dieser bestand damals freilich nurim Lesen- und Schreibenlernen, nebst Unterweisung im Christen-thum; aber so mangelhaft auch letzterer Unterricht in unsern Zei-ten erscheint, so tieft Wurzeln, schlug er doch in dem Herzen derMenschen jener Zeit. Seine Ältern ließen ihn darauf das Schuh-macherhandwerk erlernen, das er auch nachher in Görlitz ehrlichund redlich trieb. Die sitzende Lebensart, die mit demselben ver-bunden ist, scheint sein brütendes Nachdenken über höhere Gegen-stände befördert zu haben. Auch auf seiner Wanderschaft üb?rtteßer sich der stillen Anschäuung, und die damals in Sachsen herr-schenden Streitigkeiten über den Cryptocalvinismus beschäftigtenund bekümmerten ihn auf seinem Wege sehr; aber sein religiösesGemüth erhob ihn über d» Streit der Selten, und gewährte ihmu^ussprechliche Lust in der ungestörten Erhebung zu dem Unend-lichen, zog ihn aber auch immer mehr in sich selbst zurück, undsonderte ihn von seines Gleichen ab. In seinem strengen sittlichenEifer und seinem religiösen Selbstgefühle mochten daher wohlAn-»krs ttnen ungeziemenden Stolz erblicken. Aber Böhme lebte be-scheiden und einfältig, ohne die Lehrmeinungen Anderer anzugrej»

^ ihnen die seinigen aufdringen zu wollen, nur verwahrtethu sein Sinn vor aller Gemeinschaft mit dem Gemeinen. Anderemochten in feinem höher» Eifer baarcn Wahnsinn erblicken, weil^ gewöhnlichen Menschen jener unbegreiflich ist, der mehr «>s's, ?ere g^ht. Doch wie die Extreme sich überall berühren, so mußk-s Enthusiasmus und die gefühlvolle Betrachtung

s Höchsten, die jedoch bei Böhme nicht träge Beschallung blieb,e- einem lebenslänglichen Tugendwandel thätig äußer-

^ des menschlichen Verstandes den Schein des

o„i annehmen, und verbindet sich oft mit Läulchlin»

^ überhaupt mit der Absonderung des Menschen vonterwlrs-» beginnen. Diese Täuschungen, welchen aüch Böhme um-ftn gewesen zu seyn scheint, waren jedoch nicht Täuschungen»