Böhme
in Hinsicht auf bw religiösen Sinn. der ihn belebte, sondern IMin Beziehung auf die Gegenstände, denen die lebhaft gereizte Phan-tasie einen besondern Verkehr mit der Gottheit und eine gleich,sam magische Berührung seines Geistes zuschrieb. Dazu kommt,daß Böhme alle höhere Bildung entbehrte, welche zur Ausbildimzund Mittheilung seiner religiösen, philosophischen und poetischenAnschauungen nothwendig war, um Dunkelheiten zu entfernen, de-nen da» lebhaft bewegte Gemüth, das durch innere Fülle sich mit-zutheilen gedrungen ist, nicht leicht entgeht. Aber wer die Man-gelhafti'gkeit und Kürze dcä Unterrichts, welchen Böhme genoß,bedenkt, muß staunen, welcher Reichthum geistiger Kraft und wel-cher Tiefsinn in diesem einfachen und schmucklosen Gefäße verschlos-sen war. Doch wir gehen zurück zu seiner Geschichte. Böhmekehrte nach Görlitz zurück, ward 1594 Meister daselbst, und hei-rathete die Tochter eines Fleischers, mit welcher er dreißig Zährelang in einer gesegneten Ehe lebte. Mehrere Entzückungen andGesicht« (d. i. Momente einer ungewöhnlichen exaltirten Gefühls-und Anschauungskraft), welche sein religiöses Gemüth, gleich desheiligen Schriften, einer unmittelbaren Einwirkung Gottes undErleuchtung durch den heiligen Geist zuschrieb, bestimmten ihn,die Feber zu ergreifen. Seine erste Schrift, welche er rüio abfaßte,war Aurora oder die Morgenröthe im Aufgang (gedruckt ibraj,deßwegen so benannt, weil der Autor in ihr ein Licht anzündetfür die, welche erkennen wollen. In ihr versuchte er seine Offen-barungen und Anschauungen über Gott, Menschheit und Naturmitzutheilen. Aus ihr wie aus seinen übrigen Schriften leuchteteine vertraute Bekanntschaft mit der Bibel, namentlich mit de»apokalyptischen Büchern derselben, zu welchen ihn sein geheimnis-voller Sinn hinzog, vorzüglich hervor. Doch scheint er auch ei-nige gelehrte Schriften, namentlich die des Paracelsus und Valen-tin Weigels, eifrig gelesen, und den Umgang erfahrner und ge-lehrter Männer auf seine Weise benutzt zu haben. Die Geistlich-keit in Girlitz, namentlich der damalige Pastor an der Hauptkirchedaselbst, Georg Richter, ein sinnloser Polterer, welchem die»Buch in Abschrift zu Gesichte gekommen war, befeindete ihn we-gen desselben sehr, ließ ihn vor Gericht ziehen, und confiscirtesein Buch, weil an ihm selbst nichts sträfliches erfunden wurde.Diese und andere Verfolgungen mußten seine unwiderlegte Über-zeugung noch mehr befestigen, und den Ruf von ihm und seinerSchrift verbreiten. Viele vornehme Männer kamen nun aus derNähe und Ferne, begierig ihn zu sehen und zu sprechen; viele»mußte er seine Schriften mittheilen, ja es scheint ihm auch »o»daher manche Unterstützung zu Theil geworden zu seyn: denn umseinem Handwerke wollte eS nicht recht gehen, seitdem er sich im-mer eifriger mit dem Höhern beschäftigte. Doch ist es nicht gan»gewiß, ob nicht andere Umstände dazu mitwirkten. Vo» E
Seiten federte man ihn auf, sein Talent anzuwenden; doch sa)n
er erst vom I. r6ry an aus eignem Dränge seine übrigen -we -?. B. die Beschreibung der drei Principien d-S 8°"iichen Wesens, und gegen 2 y andere. Seine AnsichtenGott, Schöpfung, Natur, Offenbarung, Sünde, welche er»'selben mittheilt, sind gräßtenthcils auf die Lehre» der Vi bbaut, welche sein grübelnheS Nachdenken, in Verbindung m,ner pcetischei, Naturgnschauunz, ja welcher die lebhafteste v