go6 Böhme
rung, wie e« in ihm durch einander strebte , und wie er« in Hfand, einfältig mit. Es darf daher der unbefangene Leser sein«!Schriften nicht vergessen, daß kein origineller Mensch, und cksolcher war Böhme in jeder Hinsicht, ohne große Abweichung so»dem Allgemeinen zu finden ist, und daß er auch jene Ludschweisungcn und Berirrungen des Geistes, bei den zur Klarh'ilspäterer Wissenschaft »ichr ausgebildeten Laien ohne Befrie-den hinnehmen müsse, wenn er das Bessere, den innern Kern dü-ser seltsamen, eigenthümlichen Frucht genießen will. So wird nBöhme'S Werke allerdings nicht für den Schatz der Weisheilhalten und über die Wissenschaft emporheben, wenn gleich Bielu,die sich nach der Weisheit nennen, dieser tiefe Ernst und Eifer f«idieselbe, welcher die erste Bedingung eines wahren Philosoph!«ist, nicht inwohnt; aber er wird auch nicht, die abgezogene Schal!der Wissenschaft, das logisch-systematische Skelett dem tiefern 8ii-°fte vorziehend, der über Böhme's Werke freilich nicht über«!gleichmäßig verbreitet ist, sondern nur zuweilen mit voller Kraslwie aus einer geheimnißvollen Tiefe hervorblitzt, dieselben i«jeder Rücksicht für Produkte unsinniger Mystik und Phantasten!verschreien, welches nur denen geschehen kann, die Böhmen »invom Hörensagen kennen, oder deren Kritik an Worte» hängend,auch den sich selbst überlassenen und des verfeinerten Unterricht!späterer Zeit entbehrende» Mann nach einzelnen Sätzen messen, >»welchen ihm oft der Ausdruck nicht zu Gebot gestanden, und t>>Einheit seiner geistigen Bestrebungen, in ihrer eigenen Ansicht be-fangen, übersehen. In den letzten Jahren seines Lebens macht!unserm Böhme ein ähnlicher Stolz der Schriftaelehrten sei«»Zeit gar viel zu schaffen, welchen es unbegreiflich war, wie ein«-studirter schlichter Handwerksmann etwas aus eigenem Kopfe her-vorzubringen und zu schreiben sich anmaßen konnte; ja man nah»seine Zuflucht selbst zu gemeinen Verleumdungen, welche er jedochbis an seinen Tod sanftmüchig ertrug. Vorzüglichen Anlaß dazugab wahrscheinlich eine Schrift über die Buße, welche ÄölM'iFreunde ohne sein Wissen hakten drucken lassen. Die Sache er-regte so allgemeine Aufmerksamkeit, daß Böhme auf Verlang!»einiger vom Hofe, und auf seiner Freunde Bitten nach Dresdenreiste, um hier die von ihm mitgetheilten Lehren untersuchen j»lassen. Böhme reiste 1624 dahin und fand selbst am Hofe liadbei dem Konsistorium daselbst vielen Beifall und Schutz. R»»seiner Rückkehr erkrankte er und starb noch in demselben Jahre de»rzteri November einen sanften Tod im christlichen Glauben. Abra-ham von Frankcnberg, sein Biograph und Verehrer, wa-cher auch seine Schriften herausgegeben und erläutert hat, schlld««ihn also: Seine äußere Leibcsgestalt war verfallen und von schlsss-tem Ansehen; kleine Statur," niedrige Stirn, erhabene Schlau,etwas gekrümmte Nase, grau und fast himmelblau blitzendes AiU,kurzer dünner Bart, kleinlautende Stimme, aber holdseliger AM,züchtig in Gebcrden, bescheiden in Worten, demüthig im Wa»«"-geduldig im Leiden, sanftmüthig von Herzen. Sein eimiehm-aoBetragen hatte selbst auf rohe Menschen Einfluß: denn es lsi gwiß, daß der religiöse Mensch durch Wort und That mit unbcgr !licher Macht, und mehr denn jede andere Erscheinung aus lUmgebungen einwirkt; baher auch die häuslichen Erbauung«!- 'den, welche Böhme stiftete, religiösen Sinn vorzüglich