Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
311
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Boiffere'e 3 l r

Aalten, die sich erst mit Mühe aus der Barbarei des Mittelaltersherausarveilcten, als eine Bewahrerin reiner Sitten, wie sie die Re-formatoren des r 6 ten Jahrhunderts ihre» Gemeinden nicht zu ge-ben vermochten und als die Mutter der geachteten und weit ver-breiteten evangelischen Brüdergemeinde, deren Verfassung sich nachihrem Muster gebildet hat, immer merkwürdig bleiben.

Boisseröe (Sulpitz und Melchior), in Verbindung mit Jo-hannes Äertram, haben sich bei allen kunstliebenden und sittlichgebildeten Deutschen Ruhm und Dank erworben, theils durch dastreffliche Werk über den Dom zu Cöln, theils und noch mehrdurch die rettende Erhaltung altdeutscher Kunstdenkmälcr, die vonden vandalisirenden Franzosen dem Untergänge preisgegeben waren.Durch literarische Studien früh gebildet, kamen beide Bruder mitihrem Freunde Bertram im I. 1804 von ihrem Geburtsorte Cölnnach Paris, um dort Friedrich Schlegels Unterricht zu genießen undsich durch Anschauung und Studium der damals dort so reich verei-nigten Kunstschätze zu bilden. Sie verließe» PariS mit FriedrichSchlegel zugleich im Frühjahre iMg und kamen nach Cöln zurück.Friedrich Schlegel, der tiefer als irgend ein Kunstkenner jener Zeitden Werth der altdeutschen Kunstdenkmäler gefühlt, lenkte die Auf-merksamkeit der Freunde auf die verwüsteten herrlichen Alterthü-mer, von denen auch Professor Wall raff und Banquier Lie»versberg bereits mehreres gerettet hatten, und Freiherr vonMehring erbschaftlich manches besaß. Als nämlich in Cöln dieFranzosen Kirchen und Klöster verwüstend niederrissen, um sie znMagazinen einzurichten, wurden die verdunkelten Glasscheiben , dievom Kerzendampf unkenntlich gemachten Gemählde der Willkürder Kirchendiener überlassen, und wagcnweis auf den Trödel ge-schleppt. Die schweren ungeheuern Tafeln aus der byzantisch - deut-schen Schule auf Goldgrund wurden in dem Holzarmen Lande vomVolke sehr gesucht. Man verarbeitete sie zu Taubenschlägen, Fen-sterladen, Tischen und Schränken; mit den auf Leinwand gemahl-ten Bildern wurden Tische und Wände beschlagen. Vieles gingauf diese Weise unwidcrbringlich verloren. Fr. Schlegels Anre-gung, mehr noch der Zufall, der auf der Straße einst die BrüderBoisseröe einem gemeinen Manne begegnen ließ, welcher eine schönealte Kreuzigung Christi trug, und den Brüdern, die sie ihm ab-kauften, mehr zu verschaffen sich erbot, ward Ursach, daß sie dieseunschätzbaren Alterthümer bald in allen Winkeln aufsuchten. Mitder Nachfrage stieg der Preis dieser'gering geachteten Gegenstände.Von allen Seiten wurden aus Dörfern und Klöstern die Gemähldeö"lEn>engefahren „nd feilgeboten, und noch jetzt wird ein wahrerWucher damit getrieben. Den Brüdern Boifferäe gelang es aufdiese Weife unter Mitwirkung wackerer Künstler und Kunstfreundeeme Sammlung von Gemählden zusammenzubringen, die im Laufe?"tcn gewiß einen lebendigen und bleibenden Einfluß auf va-Kunst haben wird. Sie retteten das unermeßlich herr-E der Rathscapelle. Den drei Freunden verdanktbi-izngst vergessenen Bildes, das nun«I?"ss^-bierde des Doms ist. Der Hauptreichthum der Samm-prüder Boifferöc besteht in einer großen AnzahlGemählde-deutschen Schule auf Goldgrund, von denen wirdem ^ nennen: das Bild der heiligen Veronica, nächst

Apostel und Heilige mit den Attributen ihres MärtyrerthunlS,