Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
313
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Bolingbrocke

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gemein bewundert. Er trat in die Welt, indem ihm ein hoherRuf vorausging, und zeigte in ihr die seltensten Geistesanlagen,eine verführerische Gestalt, eine Feinheit der Sitten, ein Gemischvon Adel und Leutseligkeit, einen Reiz der Rede, denen, nachdem einstimmigen Zeugnisse seiner Zeitgenossen, niemand zu wider-stehen im Stande war. Unglücklicher Weise hemmte» die Leiden-schaften seiner Jugend den Ausflug seiner Talente; schon war erin das 28ste Jahr getreten, und noch hatten seine glänzenden An-lagen, welche einen künftigen großen Mann versprachen, nichtsweiter als einen vollendeten Wciberverführer (n coinxtere ralce)aus ihm gemacht Seine Ältern, welche glaubten, daß, eine Hei-rath eine heilsame Veränderung in ihm hervorbringen dürste, schlu-gen ihm eine Dame vor, welche als Erbin einer Million mireiner reizenden Gestalt einen sehr gebildeten Verstand und die edel-ste Geburt verband. Aber kaum hatten die jungen Eheleute einigeZeit mit einander gelebt, als sich auch bereits eine unvertilgbareZwietracht zwischen ihnen erhob,' in deren Folge sie sich auf im-mer von einander trennten. Ein ganz anderes Zwangsmittelsollte diesen heftigen, unregelmäßigen, aber ausgezeichneten Cha-rakter zu einem bessern Ziele führen; sein Vater bewirkte seineWahl zum Repräsentanten eines gewissen Fleckens bei dem Unter-haus?. Hier nun zogen seine ungewöhnliche Beredsamkeit, sein tie-fer Blick und die Gründlichkeit seiner Raisonncments die allgemeineAufmerksamkeit auf das junge Parlamentsglied. Hatte man bis-her gefürchtet, daß diese seltenen Naturgaben in der Mäßigkeiteines ausschweifenden Lebens sich zersplittern möchten, so schienvon diesem Augenblicke an, wo er sich einmal in Staatsangelegen-heiten verwickelt hatte, seine Arbeitsscheu in einen Haß aller Ru-he zu verwandeln. Er zog nach und nach die Aufmerksamkeit desKönigs Wilhelm und der Konigin Anna auf sich. Als man ihnim Jahr 1704 zum Kriegssecretär ernannt harte, wurde er da-durch in unmittelbare Verbindung mit dem Herzoge von Marlbo-rvugh gebracht. Bolingbcvcke erkannte und bewunderte die Talentedieses Mannes, und unterstützte die großen Unternehmungen und be-wundernswürdigen Folgen derselben aus allen Kräften; die . aus-gezeichnetsten Ehrenbezeigungen dieses Helden fanden unter sei-nem Kriegsseerelariate Statt, welches um so edclmüthiger von»olrngbrocke war, als er, ein Anhänger der Lory's, in Marlbo-*augh einen Whig unterstützte. Als aber die Whigs wieder dier erhielten, nahm Bolingbrocke seinen Abschied, und die»

^«Mt, zu dem er durch njchls genöthigt wurde, der aber dieAnhänglichkeit an seine Partei auf eine löbliche Weise beurkundete,trug noch viel zu seinem öffentlichen Lobe bei. Nun folgten, wie^ ausdrückte, die zwei thätigsten Jahre seines Lebens,en er ganz den Studien widmete, bei denen rr jedochnäniÄ . - " Angelegenheiten keineswegs fremd wurde. Er stand»ent!?»«".- Rührender Verbindung mir der Königin, die seinemsteriuw ^ übrigen Gehör gab. Jetzt würd das Mini-

stürre zum größtcn Erstaunen von ganz Europa ge.

wem V-^..?°^ 6 bcocke erhielt als Staatssecretär das Departe-Rrisd» seewärtigen Angelegenheiten, in welchem Posten derseines das höchste Ziel seiner Wünsche und den Stolz

»er Lebens ausmachte, so wie er die Bewunderung sei-

le erregte. Bei diesem Friedensschlüsse hatte er nicht «ehr