Siü Bolingbrocke
Frankreich schrieb nun Bolingbrocke ft'm Jahr I7Z.; seine Briefe ^über das Studium der Geschichte, weiche freilich bewun-dert wurden und auch noch jetzt bewundert werden, in Welchen ^aber fast immer der persönliche Charakter des Verfassers die Stelle ^einer unparteiischen, allgemeinen Ansicht der Dinge vertritt, und ^die besonders deßwegen getadelt wurden, weil darin ohne alleSchonung die geoffenbarte Religion angegriffen ward; eine Reli- ^gion, die Bolingbrocke ehemals laut und eifrig vercbeldigt halte.Hierauf gab er seinen Brief an Lord Bathurst ü'ber die ^Einsamkeit und das Studium, darauf 1720 in französi- zsscher Sprache seine Briefe an M. de P 0 ull >1 heraus, welcheletztere, in so fern sie kräftig gegen den Atheismus ankämpften, ^
damals sehr geschätzt wurde». Endlich veranlaßte er im Zehre g,
I72y durch seinen Streit mit Wolpole Pcpe's Versuch über zz
den Menschen, bei dessen Abfassung er dem Verfasser nicht al< ^
lein geholfen, sonder» ihm auch selbst die wichtigsten Materialien ^
an die Hand gegeben hat. Trotz dieser ernsten Beschäftigungen,denen sich Bolingbrocke in Frankreich widmet«, sehnte er sich den- Fnoch endlich nach seinem Vaterlands zurück, woselbst er auch in> n
Jahre 1738 seine Idee über einen patriotischen König, z,
und zwar unter den Augen des jungen Thronfolgers schrie».Walpole's letzter auffallender Streich seiner Regierung hatte zu» zFolge gehabt, dgß sich zwischen dem Könige und dem Prinzen von e
Wales eine offenbare Trennung entsponnen hatte. Endlich unter- h
lag Walpole der gegen ihn vorhandenen Partei, und Boeing-brocke, der sich an dem Siege über diesen gefährlichen Feind den d.meisten Antheil zuschreiben konnte, veranlaßte den künftigen Thron- stsclzer, im Jahre 1742 in die Arme seines Vaters zu eilen, und ui
sich feierlich mit demselben wieder zu versöhnen. Nach disiem Er- u
eigni'sse lebte er »och neun Jahre, und starb darauf 1751 im acht- ui
zigsten Jahre seines Lebens unter den Martern einer langen und u
schrecklichen Krankheit, während welcher er noch Bet räch tun- stg e n ü ber de n j etz i g en Z u st an d d e r Na tio n schrieb. Das H
Manuscript seiner sämmtlichen Werke hatte er dem schottische» u
Dichter David Maltet übergeben, welcher es im Jahre 1753 zh"> n
Drucke beförderte. Kaum aber war dieses Werk öffentlich erschien st
nen, als sich auch schon von allen Seiten Stimmen dagegen st
erhoben; der Verfasser nämlich hatte darin das Christenthum aus c
eine empörende Weise angegriffen. Diese Sammlung seiner sämwt- ig
lichen Werke wurde daher öffentlich von der großen Jury i» u
Wkstmi'nster als der Religion, Moral, dem Gtaäre und der öf- st
fentlichen Ruhe gleich sehr gefährlich einstimmig verworfen. Wa« n
Bolingbrocke's Charakter anbetrifft, so, wissen wir von ihm, daß 8
er die innigste Freundschrift und die erklärteste Feindschaft zu er- C
regen im Stande war, und daß man ihn eines unmäßigen Chr- n
geizes, eines ungezügelten Zorns, einer gehässigen Nacheiferung bi
und einer unversöhnlichen Erbitterung beschuldigte. Wen» Pvft v
und Swift, seine vertrautesten Freunde, ein sich geradezu und»' y
sprechendes Bild von ihm entwerfen, was steht dann von Leutt» n
zu erwarten, die ihn nur aus der Ferne kannten? Außer °e v
oben angeführten Werken Bolingbrocke-s sind noch mehrere anve gvon ihm vorhanden, deren Titel hier anzuführen, wir uns v<-sagen muffen, weil die meisten von ihnen doch nur ein tempv"res und totales Interesse zu gewähren vermögen.