Z22 Bonifaz
nifaz der Doppelzüngigkeit, der Simonie, Jntrusion, Ketzerei,Unkeuschheit. So , heftige Debatten mußten zu einem hefti-gen Beschluß führen. Man setzte fest, daß Bonifaz auf ein»allgemeinen Kirchenversammlung zu Lyon gerichtet wert»solle, und daß er abgesetzt werden könne, indem die Nation andie künftige Kirchenversammlung und den künftige» Papst appt-lirte. Der Papst, nicht müßig bei diesen Angriffen, erließ duBulle liiiam sancl.am, worin er den Unterschied der decknSchwcrdtcr aus einander setzt, und ihre Handhabung ausschließ-lich der geistlichen Gewalt bei-nißt. Zugleich aber fühlte er, daßer noch anderer Waffen bedürfe. In dieser Absicht suchte er j!jAlbrecht von Österreich zu nähern, dem er nicht nur die deutsch!Kaiserwürde, sondern selbst die Krone Frankreichs bewilligte, w«er sich gegen Philipp erklärte. Durch diese Anerbielunge» wrüAlbrecht gewonnen. Ferner bemühte sich Bonifaz, die Freund-schaft Friedrichs von Sicilien zu gewinnen, indem er ihn geg!»Carl von Valois begünstigte. Unnütz blieben seine Allianzsenschläge bei dem Könige von England. Indeß verfolgte Phi-lipp mit Eifer seinen Plan. Er hatte die Bullen nnterdrüekt,welche die Acht über ihn auSsprachen, und die Abgeordneten, wffche sie brachten, schimpflich fortjagen lassen. Er schickte darausRöhret nach Italien, um sich der Person des Papstes zu bemäch-tigen und ihn nach Lyon zu führen. Rogarct verband sich zu die-sem Zweck in ToScana mit Sciarra Colonna. Beide warben Sol-daten, und als der unvorsichtige Bonifaz, der das Ungewitter j«beschwören vergeblich versucht hatte, Rom verlassen und sich nachAnagnl geflüchtet hatte, wo er die letzte Bulle der Acht aegnPhilipp, in welcher er dessen Unterthanen ihres Eides entband,publiciren wollte, drangen am Abend zuvor Nogarct und Colomiamit einigen hundert Bewaffneten unter dem Ausruf: „Es steck«der Papst Bonifaz! Es lebe der König von Frankreich!" in Ana-gni und in die Wohnung des Papstes ein Dieser zeigte ein»gewissen Muth und sprach: „Da ich verrathen bin, wie JestiChristus verrathen ward, so will ich wenigstens als Papst ster-ben." Er ließ sich mit dem Mantel und der Tiara' bekleide«,nahm die Schlüssel und das Kreuz in die Hand, und setzte sichauf den päpstlichen Stuhl. Aber man achtete der heiligen Zei-chen nicht und verhaftete Bonifaz, der umsonst in Thräne» auk>brach; ja Colcnna vergaß sich bis zu persönlichen Mißhandlungen.Zwei Tage blieb Bonifaz in dieser grausamen Lage; da grisstr-dje Römer zu den Waffen, und unter dem Rufe: „Es lcte'dcrPapst und sterben die Vcrräther!" vertrieben oder ermordeten s>rdie Wache, und befreiten ihr Oberhaupt. Bonifaz ließ sich >"dRom bringen, wo er nach einem Monat, rzoz, starb. Aus Furcht,vergiftet zu werden, hatte er während seiner Gefangenschaft nichtdie geringste Nahrung genossen, und sich dadurch ein Fieber zu-gezogen, das ihn hinraffte. Man kann Bonifaz eine gewisstKühnheit in den Ansichten und einige Beharrlichkeit in den Ein-schlüssen nicht absprechen, aber diese Eigenschaften wurden dursEhrgeiz und Eitelkeit, Rachsucht und kriechende Geschmeidig-»befleckt- Dante weiset ihm als einem Simonitcn einen P-aßder Hölle zwischen Ni'colau« III. und Clemens V- an. B-'Mck«stiftete im Z. izcm das Säcularjubiläum. Zhm gebärt der -eines für seine Zeiten sehr gebildeten Manne«.