Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
359
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schon von Jugend auf abgeneigt war. Er erschien überhaupt dem-unbefangenen Beobachter als ein höchst gemüthlicher Mensch. Erhatte echt deutsche Gefühle, hielt auf deutsche Ehre und war eindeutscher Mann im strengsten Sinne des Worts. Ein großer Re»gent konnte er nicht seyn; denn dazu fehlten ihm fast alle Kennt-nisse, und dieser Mangel kommt hauptsächlich auf Rechnung fernerganz verkehrten Erziehung und Jugendführung. In seinem Erb-lande wollte er das Gute mit reinem Willen; aber er wollte eszu schnell, übersah darum die gewohnten Formen, stieß eben deß-wegen überall an, und wurde bald eben so sehr verkannt, als manihn mit unbeschreiblichem Jubel voll überschwenglicher Erwartun-gen, — die er nicht erfüllen konnte, — aufgenommen hatte. Erfand nichts, worauf er sich hätte stützen können in der ganz um-gewandelten Landesverfassung. Einseitige Rathgevcr vielleichtmit gutom Willen, kamen hinzu, um ihn auf Abwege zu leiten.So wollte er säen und ernten zugleich. Daraus entstanden Miß-griffe aller Art. Sein kriegerischer Geist und sein gesunder Wer-stand ließen ihn eine neue gefahrvolle Eatastrophe von Seite»des großen Gewalträubcrs ahnden. Die Vorliebe und d?e gro-ßen Anstrengungen, welche er weit über die Kräfte des-Tandes undseine übernommenen Verpflichtungen hinaus dem Militär widmete,sind aus dieser ihm eigenthümlichen Ansicht derZeitverhättnige vomJahre izig und 1815 erklärbar, und fallen keineswegeS auf Rech-nung eines läppischen Soldatenspkel«. 'Aber die Finanzen schiene»dadurch noch Mehr zerrüttet zu werden; die Steuern mußten fort-dauern, die verhaßten; die Zinsen der Landesfchuld wurden nichtbezahlt; die Erklärung, daß diese Landesschuld als heilige Ver-pflichtung anerkannt werde, ward sogar zurückgehalten. Das em-pörte überall den Krämergeist, welcher eigentlich Deutschland frü-heren ins Verderben gestürzt. So ward er verkannt, mußte ver-kannt werden als Regent eines Landes, welches unter seines Va-ters Scepter, bei ganz verschiedenen Weltverhältniffen, in Sege»und Wohlstand blühete. Doch hatte er recht gesehen. Die furcht-bare Eatastrophe kam nur zu bald. Zr zog aus mit seinen Schna-rrn und starb den schönen Heldentod am i 6 ten Juni lgiZ, der'hm in jedes Deutschen Herzen ein unvergängliches Ehrendenkmalgestiftet hat. " ° - i)V.

Brauwer (Hadrian), oder, wie man auch schreibt, Braur,,Brawer, Brour, Brouwer, ein Maler, geboren zu Harlem, oderwahisscheinlicher zu Audenarde, wo fein Vater Hautel-ssetapete»mahlte. Feuer und Enthusiasmus, Geschmack an Zerstreuungen, dieäußerste Sorglosigkeit in Ansehung der Zukunft und eine wüste Le-bensweise sind die Hauptzüge zu einer Charakteristik BrauwerS.Aber von der Natur mit den glücklichsten Anlagen ausgestattet,brachte er es dahin, daß seine Gemälde in ihrer Gattung zu denvorzüglichsten gehörten, und daß Rubens selbst ihn bewunderte,llrrauwer war im Elende geboren, und dies hatte vielleicht EinflußN sk>n Betragen. Als Kind schon mahlte er allerlei Blumen undauf Mützen, die seine Mutter verkaufte. Franz Hals, eingeschickter und sspeculirender Mahler, des jungen Künstlers Talenterkennend und berechnend, nahm Ihn mit sich nach Harlem. Hier"""er, von seinen Altersgenossen getrennt, von Arbeitschöpft un- schlecht genährt, seine ganzen Tage auf einem Bö-en zu, wo er kleine Gemählde verfertigte, hereu Werth er nicht