428 Canon
Brett gespannte Saite, deren Länge durch einen beweglich!»Steg so eingetheilt ist, daß man seinen kann, wie der Ton si:Saite nach Verhältniß ihrer ab- und zunehmenden Lange hetz«und tiefer wird. Gegenwärtig bedeutet Canon ein solcher Lo»-stück, bei welchem die Stimmen, woraus es besteht, nach eins»,der anfangen, und wobei jede nachfolgende Stimme die vorherge-hende ununterbrochen nachalmrt. Zuweilen geschieht dies in dem-selben Tone, zuweilen jedoch höher oder tiefer, als der Ton ditStimme ist, welche anfängt. Ei» solcher Gesang kommt nie j»Ende, sondern wird so lange fortgesetzt, als man will, und i«diesem Falle heißt er ein unendlicher oder immerwähre«-der Canon (canon iostuitiw). Zuweilen wird der Sah ab«auch mit einem Anhange versehen, vermittelst dessen sich alltStimmen zu einem gemeinschaftlichen Schlüsse neigen, und dar»wird er ein endlicher Ca n o n (canon stuinks) genannt. D»er zwei-, drei-, vier- oder mehrstimmig seyn kann, so bekomm!er von der Anzahl der Stimmen den Namen eines zwei-, drei-,vier- oder mehrstimmigen Canons. Man pflegt gemeiniglich di»Canon nur vermittelst einer einzigen Stimme darzustellen, und i»derselben durch Zeichen zu bemerken, wo die folgenden Stimm«»den Satz anfangen sollen. Bei dem mehrstimmigen Canon werde»entweder eben 10 viele Eintriktszeichen bemerkt, als Stimme»nachfolgen sollen, oder eS wird gleich zu Anfänge des Cam»!vermittelst einer Zahl angezeigt, wie viele Stimmen den C-»c«ausführen sollen, z B. Canon » g, Ca.ion aß u. s. w. Ei»Canon, der auf diese Art nur vermittelst einer einzigen Stimmtdargestellt ist, wird ein geschlossener Canon genannt; sishingegen alle Stimmen desselben entweder besonders ousgeschrü-ben, oder in Partitur gesetzt, so heißt er ein offener Canon.Denn in einem ordentlichen Tonstücke einzelne Stellen von dies«Art vorkommen, da nämlich eine Stimme nur eine kurze Stellteiner andern Glimme wiederholt: so gibt mim auch bisweilen sol-chen einzelnen Stellen den Namen Canon, oder nennt sie cano-ntfche Nachaymung <n. Zuweilen' läßt man beim Canon d»Eintrittszcichen der nachfolgenden Stimmen, oder auch die An-zeige des Intervalls, in welchem die Nachahmung geschehen so",ganz weg, um durch das Aufsuchen derselben die Kenntnisse »«-derer Eontrapunktistcn zu erproben. Wenn dieses geschieht, l«nennt man den Satz einen Räthsel-Canon, und dos Am»-chen des Orts, wo die folgenden Stimmen eintreten, oder mAufsuchen tes Intervalls, in welchem die Nachahmung gescheht»muß, wird die Auflösung des Canons genannt. Der Canon w>»auch so gemacht, daß. jede Stimme bei jeder Wiederholung !"Sätzes denselben um ein gewisses Intervall höher nimmt. M»hat z. B. solche, da das Thema zwölfmal wiederholt wird, u»>zwar jedesmal den nächsten halben Ton der Tonleiter seines Grün'tons höher, so, daß das Thema durch alle zwölf Töne sen>Tonart durchgeführt wird. Ein solcher Canon wird Canon s»ronvs oder Cirkel. Canon genannt. Wenn endlich der onon verschiedener Auflösungen fähig, das heißt, so beschaffen »,daß er sowohl in verschiedenen Intervallen, als in verschiedeArten der Bewegung nachgeahmt, und die Nachahmung »aidieser, bald an jener Stelle des Satzes angefangen werden rso hoißt er canon Poli-rnoipiiiia, oder ein Canon von sie.