Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
439
JPEG-Download
 

Carl IV,

4ZS

er welle der Versammlung vorschlagen, sich mit einer Reform t>e«deutschen Klerus zu beschäftigen. Der Papst, erzürnt über dieseunbesonnene Kühnheit des Kaisers, fobkrcc die Churfürsten auf,ihn abzusetzen. Sogleich kehrte Carl zur gewohnten Unterwürfig-keit zurück, uud gab nicht nur alle Verbesserungen auf, son-dern bestätigte sogar izgy alle Freiheiten der Geistlichkeit,alle ihr« gegenwärtigen und zukünftigen Besitzungen und machtesie von jeder weltlichen Macht unabhängig. Ein so schwankendesBenehmen, zog ihm die Verachrung beider Theile zu. Noch vordem Schlüsse des nämlichen Reichstags, welcher zu Mainz gehal-ten wurde, bekam er davon den Beweis. Viele ehemalige NerchS-lehcn waren nach und nach von verschiedenen Fürsten an sich geris-sen worden; Carl wollte eine Reunionskammer errichten, um st«wiederzuerlangen; aber >die Unzufriedenheit, welche sich darüberäußerte, vereitelte auch diesen Plan der schwachen Kaiser-, wei-cher sich dadurch entschädigte, daß er dem Könige von Polen dirVouverainctalSrechte verkaufte, die über einige seiner Provinzenbisher vom Reiche ausgeübt worden war. ES ist leicht begreiflich,daß unter einem solchen Kaiser Deutschland iv seinem Innernnicht ruhig war. Räuberbanden plünderten e- allenthalben; derKaiser zog gegen sie aus, ohn« jedoch etwas zu unternehmen, underklärte endlich den Fürsten und Städten, daß sie sich durch Bünd-nisse unter einander so gut als möglich schützen möchten. ItaliensZustand war nicht minder betrübt. LoSeana seufzte unter derAnarchie; die Lombardei ward von Büraerkriegen zerfleischt; di«Visconti hatten sich sogar des Mailändischen bemächtigt. Der Kai-ser, treu seinem Grundsätze, allenthalben»- wo er sie fand, dieMacht gut zu heißen, ernannte diese Usurpatoren zu seinen Gene-ralvicaricn in der Lombardei. Dadurch kühn gemacht, drohet«Varnaba Visconti, ganz Italien seinem Joche zu unterwerfen.Papst Urban V., durch die Gefahr beunruhigt, lud Carl zu sichem, eilte von Avignon nach Rom, schloß verschiedene Bündnisse,hob Truppen aus, und erwartete den Kaiser, der wirklich mitnmr ansehnlichen Hceresmacht erschien, so daß Italien sich einenAugenblick für gerettet hielt. Carl benutzte die Stimmung deSPapstes., um seine vierte Gemahlin, Elisabeth von Pommern, zuRom krönen zu lassen, und übernahm dagegen die bestimmtestenVerbindlichkeiten. Dennoch unterhandelte er aufs neue mit denVisconti, und verkaufte ihnen, vermöge eines zweiten Tractals,«ne förmliche Bestätigung aller ihrer Usurpationen. Auf ähnlicheWeise »erkaufte er während seines Aufenthalt- in Italien Staa-ten und StLdt» den Meistbietenden, oder machte sie, wenn sieük ru unabhängigen Republiken. Mir großen Stützen,

aoer auch verachtet von seinen Feinden und verwünscht von seinen^E^knyssen, kehrte er nach Deutschland zurück. Nachdem derPapst Gregor XI- ihn autsrisirt hatte, seinen Wohn Wenzel zumrömischen König wählen zu lassen, erkaufte er mit jene» Reich-die Stimmen der Churfürsten, die über da- Benehmen.erzürnt seyn mußten, theilte ihncn überdies Lesitzun-? ^ 0"- Rhein und mehrere Reichsstädte zu, und erlangte bal-ürch,a» llSevj-r gewählt wurde. Um ihre Rechte gegen die Willkür^ aufrecht zu erhalten, schloffen die Reichsstädte insogenannten schwäbischen Bund, dem sich Carl um-si widersetzte. Dem Papste bewies er seine Dankbarkeit dadurch,