Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
599
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Correct 599

§deal, und man verzeiht unbedeutende Fehler, wo dep Gegen-stand bedeutend ist, und durch hLhere Borzüge glänzt. Pedantc-rei ist es dagegen, dieselben mit Ängstlichkeit aufsuchen, undüber einen Gegenstand wegen, derselben das Verdammuntzsurtheilaussxrechen, oder sie nist Ängstlichkeit vermeiden, und da-durch auf den Mangel höherer Borzüge aufmerksam machen. Ja,es gibt eine Correcthelt, welche auffällt, und darum an einemWerke mißfallen und getadelt werden kann; dieses ist der Fallda, wo etwas Größeres und Herrlicheres erwartet wird, et-wa», was sich nicht vorschreiben, sondern nur durch Talent undGeist bewirken oder hervorbringen läßt, etwas, das sich eben un-ter jener äußern Bedingung der Erscheinung zeigen oder darstel-len soll. So erscheint z. B. das correcte Tragen und Betrageneiner Person selbst lächerlich, wo ein freies und ungezwungenesBetragen erwartet wird, und je mehr man dieses in der Gesell-schaft von ihr verlangen kann, ferner je mehr das bloß Regel-rechte von der angenehmen und liebenswürdigen Freiheit absticht,und je ängstlicher, ja mit Zwang cL gesucht wurde; endlich jemehr die Vorschrift konventionell ist, oder auf das Willkürlicheangewendet wurde. Auch gibt eS Gegenstände, bei denen maneine große Jncorrecthett leicht verzeiht, so fern bei ihnen auf dieForm überhaupt wenig ankommt, und je mehr das Fehlerhaftedurch Eile und andere Ieitumstänbe entschuldigt wird, z. B. indem Style der (politischen) Zeitungen oder gewisser Bekanntma-.chungen aus dem niedern Kreise des' bürgerlichen Lebens. Dage-gen wird die Correctheit zu andern Zwecken dringend erfydert,mo es z. B. auf Prüfung erworbener 'Fähigkeiten angesehenist-^ Zu den Werken der schönen Kunst ist sie nothwendi-ges aber untergeordnetes Erfodcrniß der Schönheit; alleintemeswi-gcs mit ihr selbst zu verwechseln; ja hier ist vorzüg-lich der Fall, wo sie lästig werden kann, nämlich wenn sieängstlich bestrebt worden ist, und höhere Eigenschaften ver-missen läßt, da doch das (schöne) Kunstwerk als Werk des freienGenius erscheinen soll. Gleichwohl ist sie dann ein Verdienst desKünstlers, wenn bei aller Fülle des Geistes die Erscheinung bism ihre äußersten Formen (z. B. bei der Poesie im reinern gram-matisch richtigen Styl, Versmaß, Reim; bei der Mahlcrei, ingehöriger Anwendung des Schattens und Lichts, richtiger natur-gemäßer Zeichnung; bei der Musik, nach den Federungen der Ge-ls^ der Harmonie und des Rhythmus) vollendet ist; denn schwerschemt es hier, bei aller Fülle der Begeisterung selbst das KleinsteAug- zu hab^, Jxboch darf man nicht vergessen, daß ders^^e Künstler, eben weil rr sein Werk nicht theilwcise, sondern«°-h-wem geistreichen Entwürfe, der mittelst der EinbildungS-f,7't anschaulich vor der Seele steht, organisch, und wi» a»S el-fe"' Gusse erzeugt, so daß er, sofern er nur überhaupt dre Ge-Ue der Darstellunasmittel seiner Kunst durchdrungen har, undun Geruch der letzter» geübt ist, den auf das Wesen der- /sMiing cinfließenden Fehlern weniger ausgesetzt ist; zweitens,Correctheit seines Werks größtentheils von der AU Sar-in seines Entwurfs abhänge, bei weicher der Reflexion,--Beziehung auf die äußere Form, Anordnung und-Fugung der^ue, unbeschadet der das Werk erzeugenden Begeisterung, ei»" sbrer Antheil, als in,dcm Momente hcs Entwurfs verstattet