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Deutsche Baukunst 66z
chischen Baukunst vereinigt, der man damals noch im Ganzen treuWeb, und hieraus entstand eine gemischte Bauart, die bis in dieMitte des izten Jahrhunderts sich erhielt. Nun erwachse dienrugothisch« oder deutsche Bauart, die wir auch die romantische,weil sie sich durch den romantischen Geist des Mittelalters ausbil-dete, nennen können, die in Deutschland gebildet) in den Thür-men des Münsters zu Straßburg, in dem Dom zu Cöln (1248von Bischof Konrad von Hochsteden angefangen und bis tsisyy fort-gesetzt, aber noch unvollendet. Vergl. Der Dom zu Eiln.Dortmund 1810, mit Äupf.), der Stephanskirche zu Wien, demDom zu Erfurt, der St. Cebalduskirche zu Nürnberg, der Elisa-bethkirche in Marburg ihre Vollendung erhielt, und sich von danach Frankreich, England, Spanien (hiehcr gehört z. B- die Ka-lhedralkirche zu Toledo) und Italien (z. B. der Dom zu Florenz,dir Kirchen 8r. ll'vinirb und Lr. Maria Iiovolls daselbst) verbrei-tete. So wird schon im inten Jahrhundert ein deutscher Bau-tneister in Italien, Namens Wilhelm, und im izten Jacob, mitdem Beindmrn Lapo (st. 1262) und sein Sohn oder Schüler Ar-nolf de Lapo (st. izoo) angeführt, welche die Baukunst verbes-sert haben sollen. Dieses ist der Gang der Ausbildung der Bau-kunst in Deutschland. Auch die deutsche Baukunst zeigt einen kli-matischen und religiösen Eharakter, der vorzüglich in den deutschenKirchen sichtbar wird. Hoch strebten die schlanken Saulenbuschel<mf, immer mehrere sich fest an einander schmiegend und ihreZweig? verschlingend, gleich den Stämmen des Hains, in dessenUmschaltungen der alteTeutone seinen Altar baute. Der Christia-nismus führt seine Bekenner aus dem Vergänglichen in eine stil-lt Geisterwelt/ Im Helldunkel des Doms muß das Gemüth sichsammeln aus der Zerstreuung des Irdischen, sich wie der Dom sym-bolisch zu dem Unendlichen erheben, und durch Gebet und Entsa-gung die Weihe zum höher» Leben empfangen. Darum sind auchdie Lerzierungcn an den alten christlichen Kirche» nichts weniger«ss cin zufälliger Schmuck. Es ist eine religiöse Bilderspracheund ein 8-mcru-u'iuiii; wo die Monstranz steht, ist sinnbildlich derganze Tempel im Kleinen wiederholt) An diesen Gebäuden wirdL-der tiefe Zweckmäßigkeit des Plans/ kühne, wohlverstandne Eon-srrnctionen, unermeßlichen redlichen Fleiß, irnpvsanten Eindruckdrr kühnen Massen von außen, hohen Ernst im Innern, der denWntrctenden zu frommen Gefühlen erweckt, bewundern und eh-ren muffen. Dennoch müssen wir der deutschen Baukunst mehrsymbolische als hieroglyphische Beredsamkeit und Würde, diesich nicht selten ins Bizarre verliert, als selbstständige Schönheitbeilegen. (Siehe Lostenoble über altdeutsche Architektur undderen Ursprung, Halle 1312, nebst den Bemerkungen seiner Recen-vnten; Numohr Fragmente einer Geschichte, der Baukunst MSchlegels deutschem Museum i8lz, MLrzheft u. s. f.) Vergl. übri-gens die Artikel Baukunst und gothische Baukunst. Mitder deutschen Baukunst stand der Orden der Freimaurer m-Verbindung. .Seit dem izten Jahrhunderte fingen die deutschen-baumeister an, den sogenannten gothischen .oder deu-scheu Ge-schmack zu verlassen. In den wenigen größer» Werken, welche1 «t dieser Zeit erbaut worden find, erblicken wir ein Herabsinken-u der rernbürgerlichen oder gemeinen Baukunst, oder eine Vermi-schung dieser mit der altdeutschen Baukunst; oder endlich, und