Deutschcs -Theater 6-r
Sie wäre» derb und unausgebildet, aber kräftig, lustig, schlicht undteutsch gedichtet. Ihre Darstellung auf Bühnen ohne Dachmochte dem angemessen seyn. Die Übersetzungen der Alten, z. B.des Leren), welche in diese Zeiten fallen, wirkten auf das Volknicht und scheinen auch nicht aufgeführt worden zu seyn. Mimi-sche Belustigungen dauerten neben den Schauspielen fort. Im rptcnZahrhunkerte „machte das deutsche Theater keine bedeutendeFortschritte. Übersetzungen bildeten nur die Dick ter.und gabenden Schauspielen einen etwas regelmäßigen Jusaniincnhäeig. NachMartin Opitz, der auch der italienischen Oper e-nige Singspielenachbildete, wurden die wzenannten Smgkomödien und singendeKoffenspiele häufiger. Zm Anfange dieses Jahrhunderts findenwir schon Schauspielergesellschaften unter Anführung von Princi-palen, welche die Fastnachtsspiele und geistlichen Komödien durchVorstellungen übersetzter Stücke zu verdrängen suchten; denn Ori-ginalstücke gab es außer jenen nicht und das fremde Theater warschon ausgebildeter als das deutsche ; und diese Schauspielergesell-schaften nahmen immer mehr Zunitmäßiges an. Durch U ersttzun-zen des Guarini kamen nun die sogenannten Schaicreidramerr(Schäfereien, auch Waldkomödien genannt) in D.ntschlandauf. Andr. Gryphius, der um die Mitte dieses Jahrhundertsblühte, arbeitete und bearbeitete viele Stücke für das. Theater.Sie verlieren sich zwar oft in Schwulst, doch sind sie voll Phan-tasie und haben in der Charakterzerchnung einiges Verdienst. L o-hensteins Dramen waren wegen ihres langweiligen Bombasteseben so wenig für das Theater geeignet; doch fanden sie großenBeifall und ihr Ton, der Ton affscnrtsr Erhabenheit, nahm aufder Bühne zum großen Schaden des deutschen Theaters bald üder-haud. Dadurch entstanden die marktschreierisch sogenannten Haupt-uud Staatsactionen, größtentheils Bearbeitungen französischer undspanischer Trauerspiele mit schwülstigem Pathos ausstafsirt und ebenso, mit vieler Anstrengung der Lungen und Hände, vielem Auf-wand« von Goldpapier und Flitterstaat, wobei ein Paar schwarz-sammte Hosen d>.m SchauPie.er ein unentbehrliches Requisit war,aufgeführt, im Ganzen schlechte Nachahmung der gebildetern fran-zösischen Bühne. Jfflcmd schildert die Bühne dieser Zeit sehr lau-nig in seinem Aufsätze über den Vortraa in der höhern Tragödie(Almanach für Theater rc. auf d. I. 1807); von der Declama-non der Schauspieler in diesen Staatsactünen sagt er, sie nah-men den Mund so voll, daß kein Wort herauskommen konnt:, wiebei andern Menschen; und ihre Bücke schwebten stets in den Wol-fs"- Je mehr die Gesellschaft dem Schauspieler die bürgerlichenRechte versagte, desto stolzer trug er sein Haupt, ein Johannesahne Land. Im gemeinen Leben erschienen sie selten ohne Degen.Als assyrische oder griechische Helden verbanden sie in ihrem An-lhg und Wesen die Gegenwart mit der Vergangenheit rc. InEtaatüactionen mußte übrigens in der Regel auch eine lu-irige Person unter dem Namen Courkien, späterhin Pickelhesvorkommen, so wenig konnten die Deutschen ihren riatur-uchen Geschmack bei dieser langweiligen Lustbarkeit verlaugmn.«chvn im I. i 65 y wurde eine Übersetzung des Polyeuct von Cov-"Eß'druckt und von einer wandernden Gesellschaft unter einemgewissen Magister Beltherm, der auch nebenbei noch Ballets und»räumliche Burlesken aus dem Stsgreife aufführen ließ, aufs
44 *