Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
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772
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772 Epimenides Epische Dichtungsatt

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Valiei ll'Oon.

Epimenides, ein berühmter Philosoph und Dichter des Al-terthums, welcher fünf bis sechshundert Jahre v. Chr. Geb. lebte«nd aus Creta gebürtig war. Die Sage schildert ihn als eine»Vertrauten der Götter und untrüglichen Seher in die Zukunft.Als die Athener von Feinden und ansteckenden Krankheiten heim-gesucht wurden, und daö Orakel ihnen erklärte, die Stadt hab«sich durch dir Entheiligung der Tempel, in welchen die Anhängetdes Ceylon ermordet worden, den Zorn der Götter zugezogenund müsse wieder entsündigt werden, riefen sie den durch feintWeisheit und Frömmigkeit berühmten Epimenides von Ceeta zusich, um durch ihn mit den Göttern wieder versöhnt zu werden.Er entsprach ihrem Wunsche und traf außerdem noch verschiedenenützliche Veränderungen und Einrichtungen. Bei seinem Fortgmgeschlug er alle Geschenke aus, Und verlangte zum Lohne nichts al§«inen Zweig von dem der Minerva geweihten ülbaum. Merkwür-dig, aber leicht zu deuten , ist die Sage, daß er als Jüngling ineiner Höhle von einem Schlaf überfalle» worden, der nach Ein.genvierzig, nach Ander» noch mehr Jahre gedauert habe. Bei seinemWiedererwächen habe er zu seinem Erstaunen alles in seiner Vater-stadt verändert gefunden. Diese Sage liegt in Göthe's Dichtung:des Epimenides Erwachen zur Jahresfeier der Schlacht bei Lelxjigzum Grunde, in welcher der Dichter mit der ihm eignen Heiter-keit und Kraft sinnbildlich die großen Erfolge vaterländischer öe-Hebung feiert.

Epimetheus, s. d. Art. Prometheus.

Epiphonem, epi^konsm», in der Rhetorik, ein Schlußsatz,der mehrere Glieder einer Periode, oder eine ganze Schilderungnachdrücklich schließt und gleichsam eine aus dem Ganzen resulrirendeBemerkung enthält, wie z. B. ÄirgilS Ausruf: ranras m»U« er-rroirianam constere Keiilcni.

Epiphora, die rhetorische Figur, vermöge ivelcher sich meh-rere Sätze oder Abschnitte einer Rede mit demselben Worte, oberderselben Wortverbindung endigen, z. B. in Klopstocks Schlachtge-sang: „Mit unserm Arm ist nichts gethan rc. — der alles aus-führt." „Umsonst entflammt uns re — Ler alles ausführt.!"

Epische Dichtungsart oder epische Poesie wird die er-zählende Dichtungsart (s. Poesie) genannt, welche das poetische Ec-eigniß als etwas Vergangenes der Einbildungskraft ruhig darstellt.Sie hat verschiedene Unterarten, die nach Umfang und Bedeutungverschieden sind. Die höchste ist die, welche man gegenwärtig v»e-

zugsweise das Epos oder Epopöie nennt; ein erzählendes Gedicht,dessen Inhalt ein poetisches Ereigniß ist, welches sich auf Weit,Menschheit, das Leben der Nationen oder eines Volks bezieht,am frischesten und herrlichsten, wenn sein Stoff die Sage ist, diemit der Urgeschichte des Volksund seinem Ursprünge zusammenhängt.Bon geringerem Umfange und beschränkterer Bedeutung istdaS-jenige epische Gedicht-, dessen Inhalt sich mehr auf das Leben ein-zelner Menschen bezieht, wodurch auch her Ton des Ganzen be-schränkter und lyrischer wird. Man könnte dieses besser als da»erstere Heldengedicht nennen. Hieher gehören die meisten ro-mantischen Epopodien, «nd selbst des Homers Odyssee rm «er-