Gedächtniß Gedächtnißkunst 885
beaux zubrachte. Gaveaur componirte mehrere Motetten, die «»unter seines Lehrers Augen ausführen ließ. Dieser unterließ nicht,ihm jedesmal seinen Beifall zu bezeigen, und zugleich da- alteSprichwort zu wiederholen: IsbricunZo tir 5 -eder. In der Folg«wurde Gaveaup beim Theater zu Bordeaux angestellt, bis er sich1788 nach Montpellier begab, um hier die ersten Liebhaberrolle»in der großen und in der komischen Oper zu übernehmen. Im I.178Y debutirte er auf dem Theater der Luillerien als erste« Teno-rist in der französischen Oper. Er war einer der Begründer undErhalter diese« Theaters bis zu dem Augenblick, wo da- TheaterFcydeau mit der komischen Oper iiy I. 1800 vereinigt wurde.Als Componist hat er mehrere Werke auf bat Theater der komi-schen Oper gebracht, die sich eine« ausgezeichneten Beifalls erfreu-ten; unter allen aber ist vielleicht I/»irio»r KIi -,1 diejenige, welchesein Talent am schönsten und vollkommensten bewährt. Außerdemhat er italienische und französische Romanzen herausgegeben. SeineKomposition des Pygmalion von Rousseau,, die er für das Thea-ter der komischen Oper bestimmt hatte, wird als ein besondersgelungenes Werk gerühmt. M.
Gedächtniß heißt da« Vermögen des Geistes, gehabteVorstellungen und Gedanken zu behalten und willkürlich in sichwieder zu erneuern. Etwa- bald fassen, sich leicht worauf be-sinnen, und es lang« behalten, sind die selten beisammen be-findlichen Vollkommenheiten des Gedächtnisses. In Hinsicht desFassens ist da« Gedächtniß schnell oder langsam, in Hin-sicht des Besinnens ist es treu oder untreu, in Hinsichtdes Behalten- aber mechanisch oder selbstthätig. Alanunterscheidet in der letzter« Beziehung das Wortgedächtntß,welches von mechanisch Auswendiglernen zeugt und keines s-ndep«lichen Aufwands von Geist bedarf, von dem Sachgedächtnis,wozu Urtheilskrast und also selbstthätiger Geist gehört. UngemeineGedächtnißgaben machen den gelehrten Mann, Nachdenken denMann von Geist, den Philosophen. Selten sind beide vereinigt.Beim Fassen und Behalten hängt viel von der auf einen Gegen-stand verwendeten Aufmerksamkeit ab. Mit träger Aufmerksam-keit wird wenig oder schwer gefaßt, mit lebhafter viel Und leicht;mit träger und zugleich zerstreuter ist da« Fassen schwerer, mitzerstreuter und zugleich lebhafter zwar leicht, aber die gefaßte«Ideen sind, bei einer augenblicklichen Lebhaftigkeit, unrichtig undvergänglich. Mit träger aber ordentlicher Aufmerksamkeit ist Fas-sen schwer, allein die gefaßten Ideen sind richtig und dauerhaft;mit lebhafter und zugleich ordentlicher Aufmerksamkeit ist dasFassen leicht und die gefaßten Ideen find lebhaft, richtig und dau,"haft, — Das Gegentheil yom Gedächtniß ist die B e r g eß lich-kilt, wo der Kopf, so oft er auch gefüllt wird, doch immer»er bleibt. Dieses Übel ist bisweilen unverschuldet, wie bei alten«Uten, pst aber auch die Wirkung einer habitueller« Zerstreuung.Etwas methodisch dem Gedächtniß anvertrauen, heißt m«mo,rlren, wovon in einem eignen Artikel wird gehandelt werheu.^ Gedächtnißkunst und Mnemonik. ZZ.
,i?cht"'dkunst (mit einem aus dem Griechischen stam«Worte Mnemonik genannt) ist die Kunst, die Wirksam,Gedächtnisses zu einer solchen Fertigkeit zu erheben, daßmau alles, was dem Gedächtnisse anvertraut werden soll, schnell