Gewchrfabrik Glogau 897
Gewehrfabrik heißt ein« Anstalt, worin Gewehre aus Ei-sen a«f die Weise verfertigt werden, daß immer eine Classe derArbeiter der andern in die Hände arbeitet, das Eisen aber durch'Hämmer, welche vorn Wasser getrieben werden, geschmiedet wird.In einigen rperden nur schneidende und stoßende, in andern nurFeuergewehre, in wenigen beide Arten zugleich verfertigt. Diebekanntesten sind die zu Suhl in der Grafschaft Henneberg, zuSchlingen in der Grafschaft Mark, zu Mastricht, zu Lüttich u. f.Außerdem hat fast jeder Landesherr, der eine beträchtliche Armeeunterhält, seine eigne Gewehrfabrik, z. B. der König von Preu-ßen vor Spandau, wo nicht allein Klingen, Bajonnettc und La»besticke» sondern auch Kürasse und F.ucrgewehre verfertigt wer-den. Bei Verfertigung der Klingen und Bajonnette arbeiten dieKiingenschmiede den Härtern, welch« die geschmiedeten Klingenhärten, und diese den Schleifern in die Hände, welche sie auf dergroßen, vom Wasser getriebenen Schleismnhle schleif,n und polt»ren. Zu den Feuergewehre» und Kürassen wird das Eisen aufeinem eigenen Hammerwerk unter dem Prellhammer zu Plattengeschlagen, die Platten verwandelt der Rohrschnnd in Röhren,welche sodann auf der Bohrmühle ausgebohrt und auf der SchLif»mrihl« polirt werden. Die Röhre zu Commißgewehren erhältnun der Rvhrfeiler, der sie mit der Schiichtscile polirt, dieSchwanzschraube verfertigt, Haften und Rlchtkorn aufsetzt. DerSchloßmacher bearbeitet die Theile des Schlosses bis zum Härtenund Poliren, der Messing - und Zeugfeiler verfertigt den Be-schlag, der Schäfter den Schaft, der Stecher gravirt den Namendes Landesherr» auf den Lauf, und der Equipeur setzt alle dieseTheile zusammen. Die Kürasse werden unter dem Prellhammerschon aus dem Groben gearbeitet, hierauf dem Küraßschmidt über-geben, der sie weiter ausbildet, worauf Schleifer und Polirer dieletzte Hand daran legen.
Glogau, ein Fürstenthum in Niederschieße», zwischen Lieg«nitz, Jauer, Wohlau, der Mark Brandenburg und Südpreußen-«legen, von der Oder und dem Bober durchfloffen, enthält aufLo Quadratmeilen in 14 Städten, ü Flecken und 20zDörfern 183,641 Einwohner. Bei dem milden Clima wird vielWein erbaut, außerdem Getraide und Flachs in Menge. DieViehzucht ist sehr gut, und unter den Manufakturen sind beson-ders die des Tuches sehr in Flor. Die Hauptstadt
Glogau, zum Unterschied von Klein-Glogau in demlchlesische.n Fürstenthum Oppeln, Groß-Glogau genannt, einebeträchtliche Festung an der Oder, ist der Sitz der Collegien.Man rechnet 878 Häuser und 12,000 Einwohner, worunter lyoo^uten.. Auf dem dasigen Schlosse rcsidirten ehedem die Herzogevon Glogau aus dem alten Königsgeschlecht der Plasten. Herzog^vrad, Erbauer des Schlosses, berief 1260 Deutsche Hieher,vorher nur Wenden da gewesen, und gab der Stadt daS«E>che Recht. Den Dom ließ er dahin bauen, wo er noch jetztI^bk. Im westphälischcn Frieden wurde der Bau einer lutheri-schen Kirche erlaubt. Befestigt war die Stadt von den vlrestcirselten an, und schon vor dem zojährigen Krieg mit doppelten77 ? " 5 ? Graben umgeben, um jene Zeit aber und nachher
wurv« s,e künstlicher befestigt. AIs im I. 1476 die Herzoge von«nogau auszestorben waren, «vb des Fürstsndhum an die Krone
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