Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
972
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9/2 , Libckaslkat

weise, wofür man ao--r lieber I lli b erab ili l ä t sagt, weilsolche Deinart und Handlungsweise auch bei Personen vorkomme»kann, die sich nicht im Zustande der Knechtschaft befinden. Da eieines freien Mannes würdig ist. von seinem Eigenthums dem B-dürftigen „ern mitzutheilen, so heißt Lib c ra l l tä t auch oft s«viel als Freigebigkeit, und I l li b e r ali tä t so viel aliKargheit. Da es ferner eines freien Mannes würdig ist, dilRechte Lnstcrer ungekränkt zu lassen, besonders das Jedem ange-dorne und eben darum unveräußerliche Recht der Denkfreiheit, i«bekommen die Ausdrücke Liberalität und I ll i d e ra litä!auch oft 'sie Nebenbedeutung von Duldsamkeit und Unduld-samkeit (Toleranz und Intoleranz). — Die Griechen und Römerr'ibccueiien ihren Sclaven gewöhnlich die mechanischen Künste, diemehr Hand- als Kopfarbeit foder», und bedielten sich selbst, alifte /» Männern, die höheren Künste sammt den damit in Verbin-dung stehende» Wissenschaften vor, daher nannt n sie jene auchknechtische (so,viles), diese hingegen freie Künste (I-'kwio-fer s,ues). Diese freien oder liberalen Künste bildeten pä-teryin einen förmlichen Unterrichtskreis für junge Leute von guterGeburt und Erziehung, und man rechnete dahin vorzugsweise fol-gende sieben: Grammatik, Arithmetik, Geometrie,Musik, Astronomie, Dialektik und Rhetorik. In denKlosterschulen des MittclalterS (wo mrn sich außer dem christlichenReligionsunterrichte, der zur heiligen Weisheit ssspieimssscr»), oder zur T b e o I o g i e gehörte, fast nur auf jenen Ilnter-richtskreis beschränkte, der nun zur weltlichen Weisheit fts-1 'ieniia scculsrisj oder zur Philosophie gehörte) machten danndie drei ersten freien Künste das sogenannte IHvim», oderden Elementarunterricht aus, die übrigen vier aber das <)«»-äriviiam oder den höheren Unterricht; weßholb noth jetzt die nie-dern oder Elementarschulen Lri vi a l sch u l e n heißen. E-n Leh-rer der freien Künste aber (srrini» I1bers!i»m> maxister),der eeen drum auch ein Lehrer der Weltw eish eik (stocke»xti-losopl-iaa) hieß, aber nalürlich dem Lehrer der heiligen Weis-heit (stocror klieoloxiat:)-weit nachstand, sollte von Rechts w genalle sieben freien Künste inne haben. Daher kommt es, daß ausunsern Universitäten die philosophische Facultät auch eine K»c»I»s.Iiriiiin libkiisliiiin genannt wird. — In den neuesten Zeiten ißdie Liberalität auch auf das bürgerliche und kirchliche Lebenbezogen worden. Die. sogenannten liberalen Ideen sind dabeikeine- andern, als dieJdecn von b«r politischen und religiösen Frei-heit, nach deren Realisirung das gegenwärtige Zeitalter mft sogroßer Regsamkeit strebt; weßbalb man auch dasselbe daS Zeital-ter der liberalen Ideen genapnt hat. Eine liberaleEenstftution ist ebendaher eine Staatsverfassung» wodurch dupolituche und rellgiöle Freiheit der Bürger anerkannt und mög-lichst gesichert ist, m'.rhin eine stellvertretende oder reprä-sentative. > Übrigens kann der Mißbrauch, den man zuweilenmit dein Worte Liberalität, wie mit dem Worte Humani-st getrieben hat, die Liberalität oder Fr e i si n n i g kei lelbss nicht in- Mißcredie bringen. Hat doch selbst Napoleon, wiebr. von Probt berichtet, die Macht der liberalen Ibr<uals die, welche allein ihn acsiurzt, anerkennen müssen!

Macht aber ist kerne andere/ als die der Vernunft selbst, des