Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
983
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Ludwig xvm. 983

«einen Theurung und bei der Höhe der Abgaben, jeder möglichenErleichterung, wozu der strenge Ordnungssinn des Königs vielbeitrug. Indeß hatten die Bedürfnisse des Staats eine furchtbareHöhe erreicht. Von den Jahren 1814 bis izi6 war ein Rückstandvon mehr als 83 Will. geblieben, durch den das Budjet der Ausga-ben von 1817 auf 1088 Milk. 294 Fr. also um 246 Will. 6oy,oooFr., höher als das für 18-ü, anwuchs, während für da§ Jahr 1817nur eine Einnahme von 774 Will. berechnet werden konnte, so daßein Deficit von 314 Miss. zu decken war, weßhalb im FebruarM? eine Anleihe in London und Amsterdam abgeschlossen^ werde»mußte. Unter diesen Umstanden fühlt Frankreich das Eingeschränkteseiner Verhältnisse mit gehiiment Unwillen; und an der Spitze derUnzufriedenen, welche alles Übel von Richelieu's Vertrage mit beyVerbündeten vom Leisten Nov. 181g ableiten, steht der Obcrkam-merherr Talleyrand, welcher deßhalb in Ungnade gefallen ist. DieVerminderung des Occupatlonsheeres um ein Fünftheil war daherfür den König und die Nation eine glückliche Begebenheit. Unterden übrigen Regierungshandlungen Ludwigs XVIII muß noch be-merkt werden, daß daß Rarionalinstitur seit dem Jahre 1816 indie ehemaligen vier Akademien umgebildet worden ist, daß die Un-terhandlungen mit Pethion und Christoph auf Hayti, um sie durchvortheilhafte Bedingung zur Unterwerfungen zu bewegen, gänzlichfruchtlos gewesen sind, und daß has Concordat mit dein Papstenoch nicht zu Stande gekommen ist. Das Urtheil der Geschichtefalle einst über Ludwig XVIII. aus, wie es wolle, so wird. es zweiFehler an ihm rügen, durch die ex die öffentliche Meinung Frank-reichs gegen sich gekehrt hat. Er hat die Reaction der Emigran-ten-Partci nicht kräftig unterdrückt, sondern bei mehreren Gele-genheiten aufkommen lassen, dadurch aber bei der Nation den Ver-dacht erregt, daß die Bourbons nicht aufrichtig vergeben, und dasTestament Ludwigs XVI. nicht redlich vollzogen haben. Dann hater unterlassen, durch eine besondere feierliche Urkunde die Käuferder Nationalgüter in Ansehung ihres Besitzstandes und Eigenthumsvöllig zu beruhigen. Seine, obgleich sehr natürliche, Vorliebe undSchwäche für die prinzlich e Partei hat die entgegengesetzte Par-tei der An tibourb »nisten sehr verstärkt, welche in einem nichtunmittelbar zur bourbonischen Linie gehörigen Regenten ihr Heilzu finden glaubt. Aber in Ansehung der Wahl dieses Regententheilt sie sich in drei andere Parteien. Die erste wünscht denHerzcg von Orleans, der, weil seine Familie selbst mit in dreRevolution verwickelt gewesen, kein Gedächtniß für die Gräuelderselben haben dürfte. Sie rühmt den Edelmuts» dieses Prinzen,mit welchem er, bei dem ersten Sturze Bonaparte's, die ihm von«lner mächtigen Partei, an deren Spitze Talleyrand stand, angetra-gene Krone zu Gunsten seines Vetters ausgeschlagen habe. DieZweite will zum Regenten einen ausländische» Prinzen, der, kernAndenken der Vergangenheit hegend, die Gegenwart als ein Ge-schenk der Ration ansehen und sich an dieselbe mit Liebe und Er-gebenheit anschließen möchte. Sie hat ihren Blick auf den Kron-prinzen derRiederlande geworfen, der von Rußland unterstütztwerden und einstens das Reich derRiederlande mit Frankreich verei-nigest dürfte. Die dritte Partei endlich, zu der sich alle Anhän-ger der vorige» Glanzcpoche Frankreichs und der größte Theil derArmee gesellen, wollen den jungen Napoleon zuin Komze,