Majo Malagrida 995
Maja (Angela), Abt und einer der Aufseher der ambrosiani-schcn Bibliotvek'zu Mailand, hat sich durch Entdeckung und Her-ausgabe mthrcrer Schriften des griechischen und römischen Alter-thums sehr verdient und berühmt gemacht. Schon im Jahr 1814gab er die in einem Codex entdeckten Fragmente dreier noch unge-druckterReden des Cicero (Mailand b. Pirota); im I. 1815 einigebisher noch unbekannte Schriften des Cornelius Fronto (einesder größten lateinischen Redner nach Cicero, aus Afrika gebürtig,und Lehrers des Kaisers M. Aurelius und L. Verus) heraus, undfügte einige Briefe dieser Kaiser nebst andern kleinen Stücken undFragmenten alter Schriftsteller bei. Eben so gab er in demselbenJahre ansehnliche Fragmente von acht Reden des Q. Aurel. Sym-machus (eines berühmten lar. Redners um die Mitte des-sten Jahr-hunderts aus einem Codex der ambrosianischen Bibliothek mit kri-tischen und geschichtlichen Anmerkungen heraus. In demselben I.stellte er abermals eine Ausbeute seiner »»ermüdeten Forschungenbestehend in ungefähr 60 noch untdirten Versen aus der Viä»!a,iades Plautus, in Gemählden zu Terenz Lustspielen nebst altem Com-mentar; der vollständigen Rede des Jsaus über die Erbschaft desKleonyum, in einer Rede des Philosophen Lhemistius ans Licht;zuletzt soll er noch einige Bücher der Geschichte des Dionysius vonHalicarnoß entdeckt haben, und man steht erwartend der Heraus-gabe jener 56 homerischen Bilder mit 600 Versen der ältesten ho-merischen Handschrift entgegen, die dieser gelehrte Jesuit gleichfallsentdeckt und angekündigt hat. —s.
Malagrida (Gabriel), ein fanatischer Jesuit, der den2istenSept. 1761 zu Lissabon in einem Auto-da-Fä verbrannt wurde.Er war zu Lurin geboren, und von seinen Obern als Missionärnach Lissabon geschickt, wo sein stürmender Eifer und seine feurigeBeredsamkeit ihm bald ein glänzendes Ansehen verschafften. Alleswollte ihn zum Beichtiger haben, Alles verehrte ihn und betrachtete ihnals ein Orakel. Als aber die Verschwörung des Herzogs vonAoeiro gegen den König von Portugal ausbrach und mißlang,ward er nebst zwei andern Jesuiten als Mitschuldiger angeklagt.Man legte ihm zur Last, er habe gelehrt, der Mord eines Königs,der die Heiligen verfolge, sey nicht einmal eine Erlaffungssünde.Der Orden der Jesuiten ward verbannt, die drei Bcklagien aber,sey es, daß man ihnen nichts beweisen, oder ihre weltliche Be-strafung von Rom aus nicht erhalten konnte, wurden der Inquisi-tion als Ketzer übergeben, und zwar Malagrida auf den Grundzweier Schriften: Über das Leben und das Reich des An-tichrists (in lat. Sprache), und Leben der heil. Anne, un-ter dem Beistand der gebenedeiten Jungfrau MariaUnd ihres heil. Sohnes verfertigt (in portug. Sprache).Beide Werks verrathen ein durch religiöse Schwärmerei versengtesGehirn. Er erklärte sich vor den Richtern als von Gott selbst ge-sandten Apostel, und schrieb sich die Macht zu, Wunder zu thun.Während seines Prozesses starb der Marquis von Lancors, Gene-: ^>l- Gouverneur von Estremadura, und das Cakcll Lissabon und alles Forts am Lajo gaben selbst bei Nacht Artilleriesalven zu seinerTodtcnfeier. Diese hörte Malagrida, und glaubte, sie zeigten den, "-od des Könsgs an. Er begehrte daher am folgenden Morgenom Verhör, in welchem er zum vorgeblichen Beweis seiner göttlk-i chen Sendung aussagte, daß Gott ihm diese Nacht den Tod des