März - oder Maifeld 1007
gerischen Übungen. Auch versammelte sich daselbst das Volk, umseine Obrigkeiten zu wählen; daher schmückte man diese Gegendmit Prachtgebäuden und Bildsäulen. 2 » der Nähe befanden sichAugusts Grabmal und das Pantheon, jetzt Maria rotonda. Alsdie Franken (486) Gallien erobert hatten, hielten sie nach germa-nischer Sitte unter freiem Himmel Volksversammlungen, die imgten und den folgenden Jahrhunderten, nach der Zeit der Zusam-menkunft, Mär »selber genannt wurden. Im 8ten Jahrhun-dert verlegte sie Pipin der Kleine, Carls des Großm Vater, aufden Monat Mai. Nun hießen sie Malfelder; doch wurde dieEbene, wo die französischen Könige jährlich ihr Heer musterten,das Marsfeld genannt. — In Pari« ist der L!isinx-äe-Llar» ein weiter, von Gräben eingefaßter, mit einer vierfachenReihe Baume auf beiden Seiten geschmückter Platz, "wo die fran-zösische Leibwache und die Zöglinge der Kriegsschule ihre Waffen-übungen hielten. Den 2/sten August 1733, ließ daselbst ProfessorCharles den ersten Aerostaten von seiner Erfindung steigen;und Blanchard erhob sich den 2gsten März 1784 das erstemalmit einem Ballschiff in die Luft. Während der Revolution wur-den hier öffentliche Feste gefeiert, Wettrennen gehalten u. s. w.Selbst Ludwig XVI. und seine Familie nahmen an den ArbeitenTheil, als man zu dem großen Bundesfeste im I. 1790 hier Zu-bereitungen traf. Dann sielen aber auch blutige Auftritte vor. —Im Jahr rxrg wählte Napoleon Bonaparte diesen Platzzur Schaubühne eines Maifeldes für die Franzosen des rytenJahrhunderts. Er wollte seine, nach der Rückkehr von Elbaentworfene, Zusatz-Verfassungs-Urkunde, in der Formfränkischer Capitularien, der Nation in ihren Stellvertretern vor-legen, und dabei durch ein großes Staats - Schaufest die Begei-sterung des Volks aus den ersten Jahren der Revolution wiedererwecken, überhaupt aber seiner zweite» Thronbesteigung in denAugen von ganz Europa, um den Bann des wiener Congrcsseshom rzten März zu beschwören, den Charakter der Rechtmäßig-keit geben. Dieses Maifeld wurde den ersten Juni 1315 ge-halten. Bon seinen Brüdern Lucian, Joseph und Hieronymus,»nd von den Marschallcn Soult, Ney, Jourdan und Grouchy be-gleitet, fuhr Napoleon um 11 Uhr Morgens, aus den Luilericnnach dem Marsfelde. Nach einer feierlichen Messe las Dubais,«wer der 500 Abgeordneten der Eentraiausschüffe der Wahlcolle-Sien, die vor den Stufen des Thrones durch den Reichs-Erz-kanzler Cambaceres vorgestellt worden waren, im Namen desfranzösischen Volks, eine Huldigungs - Anrede vor. Darauf machteder Reichs - Erzkanzler die Abstimmung der Nation über den Zu-satzbeschluß zu den Grundversassungsgesetzen bekannt. Ob nungleich von 40 Departements keine Abgeordnete erschienen waren»>0 rief dennoch der Waffenhcrold aus, daß jener Beschluß von demfranzösischen Volke angenommen sey. Sofort unterzeichnete ihnNapoleon, und erklärte in einer Anrede an die Versammlung, daß".als Kaiser, Eonsul und Soldat alles vom Volke habe, u.s. w.Hierauf schwur er, die Grundgesetze des Acichs zu beobachten undbeobachten zu lassen. Die ganze Versammlung, ungefähr 20,000Personen, erwiederten diesen Eid. Nun folgte ein Te Deum.«»dann erhob sich Bonaparte auf einen andern in der Mitte desMaifelde- errichteten Thran, und vertheilte Adler «n die Natia-