Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
1033
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Mendoza rozz

siuß auf den Zeitgeist, so wenig als sein öffentliches Leben diereinmenschlichen Gefühle des Dichters, den redlichen Wahrheitssinndes denkenden Kopfs, und den hellen Blick des erfahrnen Welt-manns beurkundet hat. Er handelte im Geiste seiner Nation, hart,grausam und unterdrückend, stolz gegen Fremde, ein furchtbaresWerkzeug der Machtpolitik seines Hofes. Bei seltenen Talentenund vertraut mit der alten und neuen Literatur, selbst mit derhebräischen und arabischen Sprache, zeigte er in den wichtigenStaatsdiensten, zu welchen ihn Karl V. berief, nicht den Charak-ter der Humanität, sondern den des Zeitalters der Inquisition,der Auto da Fs's, der Soldatenhcrrschaft, der Mißhandlung derVölker und des Maccchiavellismus der Höfe. Denn ihm fehlte,wo nicht der Geist, doch das Herz der classischen Bildung. DasStudium der scholastischen Philosophie und Theologie und des ka-nonischen Rechts, so wie Mendoza es in Spanien, bei dem Flam-Menlicht« des heiligen Gerichts, treiben durfte, konnte in demSpanier höchstens mit römischem Stolze sich mischen, nie mit grie-chischer Bildung sich befreunden. Der geistvolle, gelehrte, witzigeDon Diego hatte kaum die Universität Salamanca verlassen,als ihn Karl V. als Gesandten nach Venedig schickte, hieraufals kaiserlichen Bevollmächtigten auf die tridentinische Kirchen-»ersammlung, dann im I. 1547 als Botschafter an den päpstli-chen Hof, wo er in ganz Italien alle diejenigen verfolgteund unterdrückte, welche noch einige Liebe zu der alten Freiheitihres Vaterlandes zu erkennen gaben. So unterjochte er, gleich-,zeitig zum Generalcapitän und Statthalter von Siena ernannt,nebst Cosmus I. von Medicis, diese Republik, die letzte aus Ita-liens Mittelaltex. Siena kam als spanisches Lehen unter die Herr-schaft von Kosinus I. Mit dem eisernen Scepter der Gewalt er-drückte Mendoza den Sinn der Loscaner für Volksrecht und Frei-heit. Verhaßt den Liberalen, verabscheut von Paul III., den eri« Rom selbst zu demüthigen den Lusrrag hatte, herrschte DonDiego nur durch Todesstrafen, und obgleich unaufhörlich von denDolchen der Mörder bedroht, die er sowohl durch Gewaltmißbrauch,als durch seine vielen Liebes-Abenteuer in Rom gegen sich auf-gereizt hatte, behauptete er sich dennoch bis 1554, in welchemJahre Karl V. von den wiederholten Klagen aller seiner italieni-schen Unterthanen, deren Haß zuletzt von dem Minister auf denMonarchen selbst überging, ermüdet, ihn an seinen Hof zurück-berief. — Mitten unten den Entwürfen einer tyrannischenGewalt war Mendoza fortwährend in Italien mit literarischcnNachforschungen, besonders mit dem Sammeln griechischer Manu-skripte und Alterthümer, eifrig beschäftigt. Er sandte deßhalb aufden Berg Atbos Gelehrte, die in den dasige» Klöstern alte Hand-schriften aufsuchten; auch benutzte er zu diesem Zwecke das Ansehn,rn welchem er am Hose Solimans stand. — Nach Karls V. Ab-dankung lebte er an Philipps II. Hofe. Hier gerieth er einst wc-ßen eines Liebeshandeis mit einem seiner Nebenbuhler in Streit.Dieser zog gegen den alten Staatsrath den Dolch, aber DonDiego umfaßte seinen Gegner und warf ihn vcn dem Erker dtt«Schlosses auf die Straße. Er kam darüber ins G-fängniß, wo erriebes - Klagelieder dichtete. Hierauf ward er nach Granada ver-wiesen, wo er mit Aufmerksamkeit den Gang des AufstandeL derMauren in dem Alpujarra-Gebirge beobachtete, und die Geschichte