Militärschukn 1045
dem neuern europäischen Heerwesen günstig gewesen, in wieferndieses von dem Volksleben, dem Zeitgeiste und der öffentliche«Meinung geschieden, eine todte Kraft vorstellen sollte, die nur durchden Geist und Willen des Feldherrn belebt wurde. Soll aber dasHeer ein Rationalheer seyn, so darf die Officiersbildung nicht ein-seitig, sondern sie muß national seyn. Sie wird dies, wenn Bür-ger und Offizier eine Ecundbildung enthalten, wo bei jenem diegymnastische Bildung den kriegerischen, bei diesem die geistige Bil-dung den zeitmäßigcn Charakter annimmt. Daß aber Cadettcn-Häuser nicht ausschließend Feldherrn oder tapfere Krieger bilden,lehrt die Geschichte aller Völker. Rom und Griechenland kann-ten sie nicht. Frankreich hat sie eingeführt, daher ihr Name.Man hatte bereits in mehreren Residenzen Cadetten-Compag-nien, als Ludwig XV. zuerst im Januar 1751 eine ecol« ro/alsmilituiis für 500 junge Edelleute vom 8ten, yten, loten und UtenJahre an, gründete. Die Grundeinrichtung derselben ist im We-sentlichen bei allen ähnlichen Anstalten dieselbe geblieben. S.encii ü'eäils , ckeclaa »cioii», ve^Iernens er orclonnanae» cku Voi,conceriianr i'Iiotel ele 1 'Laole IVlilir. karis, 1762. AISwesentliche Verbesserungen der Militärschulen überhaupt sehen wirfolgende an: i. wenn Vorbereitungsschulen und Specialschulen ge-trennt werden; 2. wenn jene eine rein pädagogische, diese eineakademische Einrichtung erhalten, wobei der Mechanismus des Haus-wesens, aber bloß dieser, militärische Form haben kann; Z. wennbeide in ihrem Unterrichtsplane erweitert werden, so daß in denCadettenschulen der Jüngling bis zum löten und i7ten Jahr««Uf vier oder fünf Unterrichtsstufcn alles lernt, was man Gymna-sial - oder encyklopädische Grundbildung nennt, mithin ->) Spra-chen und Sprachfertigkeiten; d) Geschichte, Erdbeschreibung undLiteratur; c) Arithmetik und Geometrie; -i) Kunstfertigkeiten, wieAnnehmen, Zeichnen, Reiten, Fechten, Tanzen, Schwimmen, Ru-dern rc. überhaupt alle sogenannten Turnübungen, e) kriegerischeGymnastik insbesondre. Die militärischen Specialschu-ien aber sollten in wahre polytechnische Schulen umgebildetwerden, wie die pariser war seit 1796 (s. d. Journal Frankreich,vom I. 17^7, St. i.) und aus verschiedenen Abtheilungen, (Sec-tionen) bestehen, nach den verschiedenen Zweigen des auf mathe-matischen Grundkenntnissen beruhenden Staatsdienstes, als: -») dieE-ction des Infanterie-Osficierdienstcs ; b) Bection des Artillerke-^des Jngenieurwesens; ä) des Bergbaues; e) des Straßen-,Wasser- und Brückenbaues; 5 ) der bürgerlichen Baukunst; Z) derEameralwiffenschaft. — Hieraus würde sich 4. folgende Verbesse-rung ergeben, daß in beide Anstalten Jünglinge aus allenständen, dre für den höhern Staatsdienst stch bilden sollen,aufgenommen werden könnten, wo jedoch der Staar für die är-meren und fähigen Söhne verdienter Altern Freistellen, füralle übrigen aber Koststellen errichtete, und wenn unter jenen nichtgehörig zur Aufnahme vorbereitete sich befänden, diesen in irgend ei-uer Volks - Elementarschule, oder auch abgesondert den nöthigen Un-terricht, bis sie zur Aufnahme in die Cadettenschule reif wären, anqe-ae»henließe. Zu den vorzüglichsten Militärschulen inD-utschlandgeho.
österreichischen, preußischen, sächsischen und bayerschen Cadet-«nhäuser und Militärakademien. S. u. a. des Grafen v. K lnsty'llgeni. Principien zur öffentlichen und besondern Militärerzrchung.