Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
1067
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Müller (I. A.) 1067

ich zu einem Pfarrer, dem ich deck Zweck meiner Keif« mittheilteund der mir glücklich hinüberhals. In Stolpe wurde ich von denPreußen als Spion arretirt, und nach langem Hin- und Herschleppennach Pillau gebracht. Daselbst wurde ich verhört und zu Schiffenach Königsberg gebracht. In Königsberg kam ich in das Hausmit einem Garten, welches ich nach meiner Erscheinung ganz deut-lich wieder erkannte, und das der General Rüchel bewohnte. Beiihm waren der General Blücher und mehrere Generale, die michumringten. Ich erzählte die Umstände meiner Sendung ynd daßich die Monarchen sprechen müßte; auch wurde ich noch denselbenAbend der Königin vorgestellt, und blieb hierauf bis zur Ankunftdri Königs im Hause des Generals Rüchel, wo ich auf-Befehl derKönigin Quartier und Kost und täglich einen Gulden erhielt,und mir im Hause Beschäftigung machte. AIs der König kam,wurde ich demselben vorgestellt, der schon meine schriftlichen Anga-ben und Verhöre erhalten hatte. Die Bibel lag auf dem Tische,und ich mußte dem König nun alle angezeigten Capitel, auslegen.Ich offenbarte ihm nun alles, daß Frankreich in vier Stücke ge-theilt werden muffe, daß die Franzosen im Norden zu Grunde ge,hcn würden, und Preußen so groß werden würde, als es noch niegewesen, denn es habe die treuesten Unterthanen. Auch die Ver-einigung der Religionen offenbarte ich ihm. Der König sagte mir,daß er ja keinen Krieg mehr fortsetzen, und mithin dies alles nichteintreffen könne, worauf ich ihm sagte: er möge machen, was erwolle, es würde doch geschehen. Von Königsberg ging Müller mitden preußischen Truppen nach Memel und dlzeb beinahe ein Jahrdaselbst biß nach dem tiisiter Frieden, während welcher Zeit er invielen vornehmen Häusern Auslegungen aus der Bibel machen mußte,und noch mehrere Erscheinungen hatte, welche ihm die Zukunftdeutlicher zu erleuchten schienen, z. B. von einem Kampfe desschwarzen und gelben Adlers, von Bereinigung der Religionen,von großen Schlachten tn Sachsen, in welcher einer die Franzosenvon dem Könige von Preußen und dem Kaiser von Rußland wür-den geschlagen werden. Viele seiner damaligen, vielleicht unbe-stimmter lautenden Prophezeihungen sind aufgesetzt worden, undman las vor einiger Zeit in dem Hamburger Correspondenten diedarauf sich beziehenden Briefe. Müller reifte hierauf mildem Ge-neral Knobloch, dem er diese Reise ebenfalls zuyvrgesagt haben soll,nach Königsberg, wo ex seine Prophezeihungen auch dem russischenGroßfürsten mittheilte. Aber mit jedem Tage wuchs seine Sehn-sucht nach der Heimath, in welche er nun auch, nach einer fastanderthalbjährigen Abwesenheit, nachdem «r einen freien Postpaß"halten hatte, zurückreiste. Hier blieb er auf seinem Hofe. DerKrieg zwischen Frankreich und Rußland brach aus. Seine Pro-phezeihungen hatten ihm einen solchen Ruf erworben» daß er täg-uch von Vornehmen und Niedern besucht und befragt wurde. Er>".bst sah seine Vorhersagungen täglich immer mehr eintreffen, underinnerte auch den König von Preußen, den er in Heidelberg be-suchte, und zu seinem siegreichen Unternehme» Glück wünschte, anlrne ihm in Königsberg gegebenen Prophezeihungen. In der Christ-bacht 1814 hatte er eine neue Erscheinung; er sah viele Soldatenbeschäftigt, vier Pfähle (für die Könige von Preußen, Hannover-Htttemberg und Bayern) aufzurichten, und vernahm, daß Frank-"rch getheilt werden müsse. Vor dem Ausbruche des letzten Kriegs