Müll» (Karl Wilhelm) 1271
tt», Kirchen, Bibliothek), verwaltete er mit eben so großer Ge-wissenhaftigkeit, als Liberalität, .suchte überall mit eignen Äugenzu sehen, und zeigte sich als Feind jeder Unordnung, so daß er-kaum dem Vorwürfe der Herrschsucht entgehen konnte. Mit auS-harrender Und durchdringender Kraft besiegte er Vorurtheile undHindernisse, welche seinen, das Wohl und den Ruhm der Stadt.bezweckenden, Planen im Wege standen. Doch wußte er auch ver-Künftigen Rath und gegründete Einwendungen'zu achten, undzeigte sich sonst gegen jedermann bescheiden und höflich. Ein schar-fer, schneller Blick, welcher ihn dennoch vor manchen Mißgriffenin den Personen nicht verwahren konnte, ein treffendes Urtheil,ein glückliches Gedächtniß erleichterten ihm seine Bernfswirksam»keit. Durch Witz und Einbildungskraft belebte er die Gesellschaft.Er war nie verheirathet, aber achtete und liebte die Vorzüge desweiblichen Geschlechts. Er machte sich mit den merkwürdigsten Er-scheinungen seiner Zeit in dem Gebiete der Wissenschaft und Kunstbekannt, so wie er in dem classischen Alterthum durch fortgesetzteLektüre und archäologische Kenntniß bewandert war, und suchte dieAusbeute seiner ausgebreiteten, alles Menschliche umfassenden Lectürein seinem Kreise anzuwenden. Er stand mit vielen geistvollen Män-nern seiner Zeit, mit Lessing, mit welchem er auch correspondirt»haben soll, mit Kästn er, von Blanken bürg in Verbindung,und pflegte mit Weiße, Morus und Rosenmüllcr einen freund-schaftlichen Umgang. Den letzter» hatte er von Gießen als Superin-tendent nach Leipzig gezogen, und dadurch wohlthätig für das religiöseBedürfniß der Einwohner gesorgt. Mit seiner Berathung entwarfMüller den Plan der Freischule in Leipzig, zu deren Errichtunger einige todte Capitalien des Raths, und den Raum alter, bisherunbenutzter Baraken verwendete. Sie wurde 1792 eingeweiht undgenoß fortdauernd seiner vorzüglichen Pflege. Durch Rosenmüllcrließ er auch 1796 die Einführung eines neuen, durch die Zcitbe-bürfnisse gefederten, wenn auch nicht sehr glücklich gerathenenleipziger Gesangbuchs bewirken. Eben so faßte er auch denherrlichen Plan einer neuen Bürgerschule, welcher er auf derMoritzbastei ein würdiges Lvcal gründete, deren Einweihung eraber leider nicht «siebte. Und so wie er überhaupt allen derReligion und Erziehung gewidmeten Anstalten eine vorzüglicheSorgfalt weihte, weil er sie als Grundlagen aller menschlichen undbürgerlichen Tugend betrachtete, so wirkte er nicht minder zur Ver-breitung eines ästhetischen Sinns und beförderte alles Schöne undNützliche in seinem Wirkungskreise. Umgeben von mehrcrn bedeu-tenden Künstlern und Kunstkennern, namentlich einem Ös'er, wel-cher auch Müllers Wohnung durch seinen Pinsel verzierte, dem.trefflichen Kupferstecher Bause (Müller selbst besaß eine gewählteKupferstichsammlung) und dem Architekt Daulhe, reifte in ihmMancher Plan, dessen Ausführung-sich Leipzig noch gegenwärtigfreut. Eo ließ er die baufällige Nicolaikirche von den an-sehnlichen Capitalien derselben im Innern prächtig ausbauen „„gdurch Werke der bildenden Kunst verzieren, wodurch zugleich^, wiebei vielen andern seiner Unternehmungen, eine Menge »son Men-schen nützlich beschäftigt und unterstützt wurde. So l'ckß er den ge-,schmachvollen Cvncerksaal, mit Lssers Plüfonds geschmückt, anlegen;so zog er, ein besonderer Freund und Kenner der Musik,. mehrere«deutende Lvnkünstler, vorzüglich Hitler und den nachherigen