> NationalLkonomr« 1095
! Wege steht, zu entfernen suchen. Lange Zeit hindurch konnte dieStaaLSwirthschaft nichts als eine rhapsodische- Aufammenst-llungmancherlei, zum Theil wahrer, zum Theil irriger oder halbwah-^ rer Lehrsätze seyn, weil man ihr oberstes Prinzip,, nämlich^ die Nationalökonomie, nicht als eine allgemeine Wissenschaft ancr»^ kannt hatte. Die Nationalökonomie darf vermöge ihres Prinzipsibealifircn, die Staatswirthschaft hingegen muß allenthalben, wo" es Natur und Verhältnisse gebieten, zu der prosaischen Wirklichkeitzurückkehren. Die Nationalökonomie schließt alles Empirische aus,^ sie ist «ine rein geistige Abstracrion, die auf richtig abgewogenen^ Grundsätzen unbeweglich ruhend in den menschlichen Verhältnissenund Leidenschaften den allgemeinen Regulator aufsucht, nach ihm^ gleich dem allwaltenöen Genius der Weltschöpfung die Räder ord-" - net, dann aber sie ruhig rollen läßt, und nur ihren stillen, aber. festen Gang sorglich beobachtet. Dagegen muß in der Staatswsrth-
h. . schaft alles Empirik seyn, was nicht als unmittelbares Resultat^ ! jener Wissenschaft rein in diese hcrübergetragcn werden kaun." Die letztere muß die Formen, welche Gewohnheit, Sitten und Ver-
fassung geheiligt habe», achten, aber rastlos dahin arbeiten, sich^ ! die Gesetze der Rationalökoneniic anzueignen, so wie es der Zeit«! s geist, die Regierungssorm, der Charakter des Volks ohne gewalt-same Erschütterung gestatten. Was Nationalökonomie verbietet,darf in der Staatswirthschaft keine Stelle finden und die Gesetzeb jener müssen der Markstein, des stacitswirthschaftlichcn ZwangrechtS/ s seyn; jene muß daher allenthalben diese in die Gränzen dcrRechrlich-„ ^ keil ihres Prinzips zurückbannen. Die Frage: was Wohlstand,, j und Reichthum sey, wie derselbe entstehe und vermehrt werde,
i, . hat seit anderthalb Jahrhunderten die denkendsten Köpfe beschäs-§ ^ tigt und ist auf höchst verschiedene Weise beantwortet werden.
> Frankreichs großer Minister, Colbert, gründete ein Regierungs-
„ > und Verwaliungssystcm auf die täuschende Voraussetzung, daß Geld,, ! allein wahrer Reichthum sey. Dieses System, bekannt unter demh Namen des me rka n ti tischen (s. M erka n tilsy-stem), ist in, ! Frankreich zur Ausführung gebracht und nachher fast in allen Staa-^ ten nachgeahmt worden; aber der Erfolg entsprach so wenig der, Erwartung, auch brachte es so unselige Resultate hervor, daßman, es wir Recht die schrecklichste Geißel des iZten Jahrhunderts nennen
, kann. Weil der Reichthum so oft bei den einzelnen Staatsbür-
gern unter der Gestalt des Geldes erscheint und fast immer nachGeldeswerth berechnet wird, so ließ man sich eine lange Zeit hin-durch verleiten, Geld und Vermögen mit einander zu verwechseln,bis es endlich einem Locke, Hnme und Stewart gelang, die
, Vorstellungen vorn Gelde zu berichtigen und aufzuklären. Dennoch
vermochten diese Schriftsteller durch ihre Untersuchungen, dem Gelde§ nur einen Theil seines bisherigen Ansehens zu nehmen; denn sie
, selbst waren noch nicht von dem blendenden Irrthume, daß Geld
, allein wahrer Reichthum sey, ganz zurückgekommen. Nachdrück-
. licher, und mit bessern: Erfolge ward dieses System angegriffen
^ und der theoretische Götzendienst des Geldes gleichsam,.umgestürzt
> von der staatswirthschaftlichen Schule der französischen Ökonomisten
, ^er Physiokratcn (s. P h Y siv kra ti sch e s System), an deren
1 spitze Quesnay (IVIoxiine» penoioles ste Eonveriieinent por
kr. Ouesn-i).', 1758) stand. Diese leiteten allen Reichthum von"r Natur ab und behaupteten, in allen Güter» sey kein and»