i20i BOISSELIER BOISTUAU
B O I V I N
I 202
einem Mönchen hätte vermuthen sollen. Denn ertrug von dieser Zeit an nicht, allein grobe und uuge-wohnliche Kleider, sondern that auch viele Wallfahreten zu Fuß, catcchesirte die Armen auf den Straßen,ließ sich den Bart wachsen, und that noch andere Din-ge, die sich mit seinem Stande nicht reiinen wollen.Als auch An. i6;6 die Königin Lhristina von Schwe-den auf ihrer Reise nach Rom zu Vienne eintraff,wur-de ihm von den Vornehmsten der Stadt aufgetragen,daß er, weil er sonsten einige Gedichte zu deren Lobeverfertiget, und ihr genugsam bekannt wäre, sie in ih-rer aller Nahmen mit einer Rede empfangen solte.Er nahm auch solches auf sich, erschien aber vor der-selben in eben solchem Habit und Aufzug, als ietzo ge-meldet worden, und redete von nichts anders als denGerichten GOttes, und Verachtung der Welt; da-her die Königin, welche sich nichts, als ihre Lobsprü-che zu hören, gefast gemacht hatte, es sehr übel em-pfand, und endlich sagte, daß dieses nicht derBoiffat,den sie kennete, sondern ein Pfaffe sey, der desselbenNahmen entlehnet. Nach dieser Begebenheit wur-de er auch von der Académie zu Avignon zu ihremMitglied, und von dem dasigeu Vice-Lcgatcn, Gasp.Lascari, zum Comite palatins ernennet, worauf erden 28 Mertz An. 1662 mit Tode abgieng. Er istnach einiger Bericht der Urheber von der histoire Ne-grepontique, inglcichen den fahles d'Esope illustrées deDiscours moraux, philosophiques if politiques, welchebeyde Wercke Joh. Baudoin unter seinem eigenenNamen heraus gegeben. Seine lateinische Schriff-tcn, in gebundener und ungebundener Rede, daruntersonderlich ein schöil Gedicht auf Larolum MarteUumbekannt ist, sind um die Mitte des 17 Seculi in fol.zusammen gedruckt worden. Man findet aber davonnur ein einiges und zwar sehr verstümmeltes Exem-plar in der Bibliothek der Jesuiten zu Lyon, weil erohne Zweifel zuletzt in Sorgen gestanden, daß ihmdeswegen einige Lobsprüche möchten ertheilet werden,und dahero diese Auflage selbst wiederum supprimirethat. Nic. Lhoricr hat von seinem Leben An. 1680zu Grenoble eine besondere Schrifft in lateinischerSprache heraus gegeben. Hist.
BOISSELIER (Ant.), ein Dominicaner von^Lan-gres, studirte zu Paris, wurde Doctor Theologiä,hat-te den Ruhm eines guten Casuisten, schrieb prière du
prostete Habacuc pour les fautes du peuple de Dieu, und
starb in seiner Vaterstadt 1713. Ech.
Je BOISSIERE (Claud.), ein berühmterMathema-ticus aus Dauphine im 16 Seculo, hat Abrégé deP art poétique ; V usage' de ï aneau astronomique if I ex-posttion de la Mappemonde ; les devises avec un traitédes réglés de la devise, und andere mathematischeSchrifften verfertiget. Er Ve.
dé BOISSIERE (Jo.), ein gelehrter Frantzos vonMontferrat in 'Auvergne, schrieb la Croisade ou voya-ge des Chrétiens en la terre sainte; Poesien rc. Cr.
BOISTUAU, oder Boaystuau, oder auch Bosteau,Gelehrt. Lexie. T. /.
(Petr.), mit dem Zunahmen Eaunay, ein gelehrter undbeliebter Redner in Franckreich, von Nantes, schrieble Theatredu monde , so auch IS93 zu Antwerpen spa-nisch, 1619 z» Colln deutsch, frantzösisch, italiänischund lateinisch, 1659 aber zu Leipzig von Joh. Maur.Friedrichen verdeutschet, heraus gekommen ; les histoi-res prodigieuses, so auch 1592 holländisch unter demTitel: wonderlyke Schad-Boeck der Historien, j» Dor-drecht in 8 gedruckt worden ; r histoire de Chelidonius ;les amants fortunés ; de la paix if de la guerre ; de féglise militante ; des pierres precieufis; de T excellenceif dignité de f homme ifc. Übersetzte Augustinum decivitate Dei und etliche andere Bücher ins Frantzösi-sche, und starb zu Paris i;66. Ct.
BOIVIN (Johannes), mit dem Zunahmen de Ville-neuve, ein Philologus/warzu Montrevil-Largile,einerkleinen Stadt in der Ober - Normandie, den 28 MertzAn. 1663 gebohren. Weil er seinen Vater sehr ftüh-
e durch den Tod verlohren, nahm ihn sein älterer>er Ludovicus, in seinem zehnten Jahre zu sich,und erzog ihn zu Paris mit sonderbarer Sorgfalt, zu-gleich aber auch mit solcher Schärffe, daß er täglichmit den Büchern so lange eingesperret bleiben muste,bis er das gclcrnet, was ihm aufgegeben worden.Nach 3 Jahren aberwurde Ludovico von dem Staats-Minister, le pelletier, die Auferziehung seiner Söhneanvertrauet, da denn auch Johannes mit in dessenHaus aufgenommen, und nach einiger Zeit in dasCollegium von Pleßis mit gcschickct wurde. Als crdaselbst die Philosophie gehöret, und sodann auch ei-nige Theses so wohl griechisch als lateinisch öffentlichvertheidiget, sahe er sich einige Zeit in den Rechten um,und legte sich nachhero gäntzlich auf das Studium deralten griechischen und lateinischen Scribenten, wor-inncn er auch eine solche Kenntniß und Geschicklich-keit erlangte,daß cr von vielen ansehnlichen Personen zuParis gesuchct wurde, die dergleichen Schrifften un-ter seiner Anweisung sich bekannter machten, oder auchderselben Lesung wiederholen wolten. Hierauf erhielter von dem Abt de Louvois ein Apartement in derköniglichen Bibliothek, und gelangte bey gedachterBibliothek An. 1692 zu der Stelle, welche M. Lle-meut, der Nachfolger des berühmten Thevenot erle-digt hatte, worauf er auch An. 1705 zu einem Mit-glied der Académie des Inscriptions, in dem folgen-den Jahre aber zum Prsf. gräcä Lingvä in dem könig-lichen Collegio erwehlct wurde. Endlich nahmen ihnauch 1721 die Académie francoise, inglcichen die Aca-démie de la Crusca unter ihre Glieder auf, und erstarb den 29 Octobr. An. 1726, in dem 63 Jahr sei-nes Alters. Seine Schrifften sind: Mathematiciveteres gr. lat. welche Sammlung Thcvcnok herausgeben wollen, aber noch sehr unvollkommen hinter-lassen hat; Nicepbori Gregor a historia byzantina, daer die n ersten Bücher sehr verbessert, die i; folgen-de aber zu allererst ans Licht gestcllet, und nicht nurmit einer lateinischen Ucbersctzung, sondern auch mitgelehrten Anmerkungen versehen; apologie d’HomereGg gg if Bau.