Band 
Erster Theil A - C.
Seite
1307-1308
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B O U R IG N ON

B O U R I G N O N

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des von sich spüren, und die Wahrnehmung des irre-gulairen Lebens der Römisch-Catholischen, unter denensie erzogen ward, veranlaßte sie, ihre Religion nach-hero zu verlassen. Ja als ihre Eltern, da sie kaum 4Jahr alt war, verreiseten, trug sie denenselben dabeyauf, daß sie sich nach einem Orte, wo gute Christenwohnten, umrhun, und sie hinholen sollen. In ih-rem yten Jahr hielt sie sich bey einer ihrer Verwand-tin zu Z)pern, die sie zu ihrer Erbin einsetzen wolle,fast ein Jahr lang aus. Sie wurde zwar nach ihrerZurückkunfft nach Ryssel von ihrer ältesten Schwesterauf ausdrücklichen Befehl des Vaters angehalten,daß sie sich, mit Manns-Volck tu Geselischasst zu le-ben, angewöhnen solle; allein sie wurde dergleichen,da man meist von Liebes- Dingen schwatzcte, baldübcrdrüßig, und fieng wieder ein sehr strenges undeinsames Leben an, hielt ihren Leib 7 Jahr lang soTags als Nachts mit einem Gürtel verwahrt, undhatte 1634, als sie eben sehr eifrig im Gebet begriffenwar, die erste prätendirte Erscheinung, in welcher ihrdie Worte.: quitez toutes les choses de la terre, je parezvous de V affeéîion des créatures, renoncez à vous meine

zngerussen worden seyn sollen. Sie wolle sich zu demEnde ins Carmeliter-Kloster allda begeben, wurdeaber, weil sie mit leeren Handen kam, nicht angenom-men, welches ihr auch bey den Augustinern wieder-fuhr. Ihr Vater wolte sie isz6 an einen frantzösi-schcn Kaufmann verheyrathen, und ihr Beichtvater,ein Jesuitt,/rite sie unter Bedrohung, ihr die Absolu-tion nach der Beichte nichteher wiedcrfahren zu lassen,darzu bereden helffeu; sie war aber nicht dahin zubringen, s ndcrn retirirte sich vielmehr in eine Einöde,legte ein Manns-Eremitcn-Kle d an, und weite nachJcakien wandern, wu.de aber unterwegs von denSAdatcn, die sie vor ein Frauenzimmer erkannten,angebacken, und auf ihr Verlangen zu dem Pfarrerj!i Aartou, Georg, ve Liole gebracht, der sie schonlängsten gekannt, sich aber solches nicht mcrcken ließ,und sie eure Zeitlang bey sich verborgen hielt, auch,alsder Ertz-Bischoff von Cambray sich zu ihr verfügte,bey deniselben es dahin vermittelte, daß ihr in einerCavelle des bottonischcn Kirchhofes sich ferner einsamaufzuhalten erlaubet ward. Es kam aber auch ihrVater zu gleicher Zeit dahin, und nahm sie unter Ver-sprechung, sie weder zur Heyrath zu nöthigen, nochdie Aenderung ihrer Lebens.Art von ihr zu begehren,wieder mit sich nach Hause, nachdem sie bereits indem letzteren 'Aufenthalte eine starcke Inspiration vongeistlichen Dingen gehabt. Sie hielte sich unterwegs5 Monaten dem Augustiner-Kloster zu Dvrnick auf,kam sodann nach Ryssel zurück, beichtete die Woche3 mahl- besuchte die Krancken, und ließ es an keinenLiebes-Wcrcken fehlen, kam aber hernach wenig mehrunter die Leute, sondern hiengestsiets in ihrer Kam-mer, wo sie ein kleines Oratorium bauen lassen, dengeistlichen Betrachtungen nach. Sie schrieb auch ba-mahlen in ihrem 24 Jahr ihr erstes Werck /' appel deDieu & le refus des hommes betitelt, uud kam darauf

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wider Willen ihres Vaters, der sie ihrer seltsamen Le-bens-Art wegen spottweise nur bigotte & sainte nann-te, zum obgedachtcn Ertzbischoff nach Mous, wo siesich 4 Monat m deut Nonnen-Kloster aufhielt, ihrVorhaben aber, daß ihr nicht weit von Botton einFrauenzimmer-Convent anzulegen erlaubet werdenmöchte, dadurch selber wieder rückgängig machte, weilsie ein Buch geschrieben, daß ihrer gehabten Offenba-rung nach, das Land insonderheit wegen der im geist-lichen Stande vorgehenden grossen Laster, von Kriegund audercu Strafen heimgesuchet werden solte. Siebegab sich also nach Lüttich, wo ihr ein Kauffmanneinen Ort vor sie und ihre Jungfern einzuräumenversprach. Als sie aber solche zu Mons, da währen-der Zeit 2 davon durch die Jesuiten abspenstig gemachtworden, und die 2 übrigen vor Gram darüber gestor-ben, nicht mehr antraff, kehrte sie auch nicht wiedernach Lüttich zurück, icndern kam nach Denssen, undnach 6 inonatlichem Aufenthalt daselbst, 1641 nachRyisi'l, wo sie ihrer Mutter beym Absterben die Augenzudrückte, und bis 1642, da ihr Vater wieder heyra-thcte, die Haushaltung führte. Sie hielte sich nachübcrstandeircr Kranckheit4 Jahr an cuiem einsamenOrte ohnweit der St. Andreas-Capelle bey Ryssel auf,lind hatte binnen der Zeit viele Offenbarungen, auchgrossen Verdruß von des Pfarrers an ermeldtcr Ca-pellc Enckcl, der zu Ryssel ein Gerüchte ausbreitenließ, daß sie sich mit ihm ehelich versprochen hatte, dasie ihm doch den Korb gegeben. Nach ihres Vaters1648 erfolgtcm Tode, proccßirtc sie wegen der Erb-schafft mit ihrer Stiefmutter, und übernahm 1653in dem neu aufgerichteten Madgcns-Waysen-Haiisezri Ryssel, die Unterweisung im Efristeiithuw, danckteaber 1658 ab, und legte den Augusimer-Habit an,gab hernach in dem Armen-Hause zn Ryssel eine Su-pcriorin ab, si chte aber zu Ende des Jahrs 1661 zubehaupten, daß viele ihres untergebnen Frauenzim-mers ein Bündniß mit dem Teufel gemacht, und ihrGisst beybringen wollen, darüber sie von der KinderEltern verklagt, und als sie sich nicht vor Gerichte oh-ne des Bischoffs Erlaubniß f.dien wolte, mit denStadtkneebten abgeholet wurde. Sie rcsignirke dar-auf ihr bisheriges Amt, und als man sie nirgendsmehr ins Kloster einnehmen wolte, kam sie 1662 nachGent und Brüssel, lind 1663 nach Mecheln , wo sievor dem hohen Rathe den Magistrat zu Ryssel ver-klagte, und wegen des erlittenen Schimpsss und Un-rechts Satisfaction verlangte. Die Sache blieb aberunerörtert. Nachdem sie 1664 nochmahlcnnachRys-scl zurück gekehret, und allda ein Jahr mit Verferti-gung verschiedener Schrifften und Briefe zugebracht,hielte sie sich über 2 Jahr zu Gent auf, und kam inrDcc. 1667 nach Amsterdam,- wo sie von vielen &(?lehrten besuchet wurde, und ein und andere Schrisskzu Papier brachte. Endlich gelangte sie 1671 nachTönningen, und legte in der Insel Norbstrand imHollsteinischcn eine Druckerey an, welcher sie Überwe-gen ihrer Schrifften beraubet wurde, begab sich dar-