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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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ERFINDUNG DES FERNROHRS.

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Da es demnach ersichtlich ist, dass im Alterthum e das Fern-rohr nicht bekannt war, so ist die Beantwortung der Frage überden ersten Erfinder derselben von Wichtigkeit. Bei näherer Un-tersuchung gelangen wir zur Ueberzeugung, dass in Italien undHolland diese Erfindung beinahe gleichzeitig gemacht wurde.Johann Baptist Porta, ein Neapolitaner, veröffentlichte im Jahre1589 seine Magia naturalis und gedenkt Lib. 17, p. 10 der Fern-rohre, indem er schreibt:Si utramque (lentem concavam etconvexam) recte componeris, moveris et longinqua et proximamajora et clariora videhis. Dieser ist demnach, wenigstens fürItalien, der erste Erfinder, denn wie früher mitgetheilt, sollen dieFernröhre erst 1590 in Holland verfertigt worden sein. JohannLipperheim war Brillenmacher zu Middelburg in Seeland, also warer Einwohner derselben Stadt wie Johann Johnsen, dem der Ma-gistrat daselbst das Zeugniss der Erfindung ausstellte. PeterIlorelli in seinem Buche de vero Telescopii inventore sagt c. 12,dass der eben erwähnte Johann Johnsen schon im Jahre 1500 aufdie Erfindung durch Zufall gekommen sei, L i p p e r h e i m hat es durchVersuche nachgemacht unddenMetius hierin unterrichtet. JacobMetius war ebenfalls Brillenmacher in Holland und ein Bruder desberühmten Mathematikers, Adrian Metius zu Franecker.

Uebrigens muss sich in der soeben erwähnten Jahreszahl einbedeutender chronologischer Fehler befinden, denn wenn er 1590die ersten Fernröhre verfertigt hat, die der erstgenannte Schrift-steller um neunzig Jahre früher schon anführt, so müsste der Er-finder ein unglaublich hohes Alter erreicht haben. Diesen Nach-richten zufolge scheint also unstreitig Johnsen derjenige Optikerzu sein, dem die Ehre der ersten Erfindung gebührt.

Galilei kam auf die Erfindung durch eigenes Nachdenken,wie er es selbst in seinem Nuncius sidereus mittheilt. Denn dortfindet sichp. 10 folgende Stelle:Mensibus abhinc decem*) rumorad aures nostras increpuit, fuisse a quodam Belga Perspicillum ela-boratam, cujus beneficio objecta visibilia, licet ab oculo inspicientislonge dissita, uti propinqua distincte cernebantur, ac hujus pro-fecto admirabilis eftectus nonnullae experientiae circumferebantur,quibus fidem alii praebebant, negahant alii. Idem paucos postdies mihi per literas ä nobili Gallo Jacobo Badovere ex Lutetiaconfirmatum est, quod tandem in caussa fuit, ut ad rationes inqui-rendas, necnon media excogitanda, per quae ad consimilis Organi

*) Galilei schrieb die Vorrede zu diesem Werke: Patavii, 4. XdusMartii MDCX.