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ERFINDUNG DES FERNROHRS.
noch seinen Werth behielt. Gegen Ende des vorigen Jahrhundertssah es noch Lalande während seiner Anwesenheit in Bolognaund machte hierüber die Bemerkung, que c’est un des plus beauxverres de lunette qui soit au monde.
Dieses seltene optische Kunstwerk ging indess nicht verloren,denn es kam an den Papst Benedict XIV., der es, so wie die kupfer-nen Schalen, in welchen Campani die Gläser schliff, nach dessenTode von den Erben käuflich an sich brachte und diese Gegenständeder Akademie zu Bologna verehrte. Ungeachtet vielfacher Bemü-hungen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, das Verfahren zu er-mitteln, wie Campani seine Gläser geschliffen hat, denn er machtedaraus ein sehr grosses Geheimniss. Obgleich man gegenwärtigsich nicht mehr Objective von so grossen Brennweiten bedient, dader Achromatismus der Fernröhre dieselben entbehrlich macht, sowäre es dennoch im Interesse der Optik, dieses äusserst kunstvolleVerfahren kennen zu lernen. Uebrigens hat Campani durch seinesorgfältig geschliffenen Objective der Wissenschaft nicht weniggenützt, denn die ersten Astronomen seiner Zeit, Fontana, Bian-chini und Dominik Cassini, machten damit ihre schönsten Ent-deckungen, ungeachtet es schwer war, diese optischen Werkzeugeohne Mühe von einem Punkte des Himmels nach dem andern zurichten. Cassini’s Fernrohr bestand aus einem solchen Objectiv,das an einem sehr hohen Pfahl oder an einem Kirchthurme aufeine kunstreiche Weise angebracht war, damit es namentlich sichauf eine einfache Art nach jedem Punkte des Himmels hin richtenliess. Unbequem war aber für den Beobachter die Stellung desOculars, denn obgleich es durch eine besondere Schnur mit demObjectiv in Verbindung stand, so musste er dennoch dasselbe inder Hand halten und durch jene Schnur das Objectiv um seineverticale Axe drehen. Welche grossen nie geahnten EntdeckungenCassini mit diesem Fernrohre gemacht hat, werden wir in derFolge berichten.
Ausser diesen italienischen Gelehrten hatte nur Hevelius inDanzig, das damals an Polen gehörte, solche grosse Fernröhre,wodurch er eine grosse Berühmtheit in Europa erlangte. Nacheiner Abbildung seiner Sternwarte, die sich in seinem Werke Ma-china coelestis befindet, müssen dieselben ebenfalls eine sehr un-gewöhnliche Länge besessen haben, obgleich er für sie ein beque-meres Stativ als das eben erwähnte des Cassini erfunden hatte.
Der Preis der damaligen Objective war in jener Zeit so be-deutend, dass der Danziger Astronom denselben nicht zahlen wollteund sich bemühte, derartige Gläser selbst zu verfertigen. Aus