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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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ERFINDUNG DES FERNROHRS.

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nomen nicht nur ein beständiges Jahrgehalt aus, sondern befreiteauch dessen Brauerei von den herkömmlichen jährlichen Abgaben.

Wie bereits mitgetheilt wurde, schliff Hevelius selbst dieObjective und verfertigte die ausgezeichnetesten Fernröhre, diedurch ihre Leistungen bald in ganz Europa bewundert wurden.

Noch früher als der vorhin genannte Rabener bestellte imJahre 1652 der Rector des Gothaer Gymnasiums, Andreas Reiher,ein Teleskop für den Herzog Ernst den Frommen, der aber auchvon dem damaligen Regenten von Schweden, Karl Gustav aus demHause von Zweibrücken, der nach der Entfernung der KöniginChristine 1654 schwedischer König wurde, ein sehr grosses undkostbares Fernrohr erhalten hatte.

Bereits vor den Zeiten des Danziger Astronomen hatte sich dieerste Erfindung des Fernrohrs, das damals das Galileische oderHolländische genannt wurde, durch die Veränderung des Ocularsin eine andere Construction verwandelt. Ursprünglich aus einemplan-convexen Objectiv und einem plan-concaven Ocular bestehend,veränderte Kepler dieses letztere, namentlich zum astronomischenGebrauch, in ein biconvexes, wodurch die Gegenstände zwar verkehrt,aber mit einer grossen Klarheit und in einem grossem Gesichtsfeldegesehen wurden. Dieses optische Instrument wurde nach seinem Er-finder das Kepler sehe Sternrohr genannt und hat sich bis aufdie Gegenwart erhalten, nur wendet man meistentheils statt eineseinfachen Oculars ein zusammengesetztes an. Um indess die vor-hererwähnte, verkehrte Stellung des Bildes in ein aufrechtes zuverwandeln, fügte P. Rheita später dem Ocular des eben erwähn-ten Sternrohrs noch zwei andere, ebenfalls convexe hinzu, wodurchder betrachtete Gegenstand aufrecht oder in seiner natürlichenGestalt erschien, weshalb dasselbe den Namen Erdfernrohr erhielt.Galileis Fernrohr kam immer mehr in Vergessenheit und ist jetztnur noch als einfaches oder doppeltes Theaterperspectiv bekannt,das bei kleiner Brennweite ein breites, meistentheils achromatischesObjectiv besitzt.

Der berühmte Huyghens in Holland, dessen wir bei Gelegen-heit der Entdeckung der wahren Gestalt des Saturns und seinesRinges bereits in der Vorrede gedachten, besass ebenfalls sehrgrosse und ausgezeichnete Fernröhre, denn die damaligen astro-nomischen Instrumente dieser Art mussten auch bei mässiger Oeff-nung oder Breite des Objectives sehr lang sein, indem dasselbe,das nur aus einer einzigen Linse bestand, die Farben der Brechungder Lichtstrahlen, die sich namentlich an den Rändern eines leuch-tenden Gegenstandes bemerkbar machen, nicht aufheben kann.