*
ERFINDUNG DES FERNROHRS.
15
waren in der Mitte vorigen Jahrhunderts fast allgemein imGebrauche, sie verloren ihren guten Ruf, als das achromatischeFernrohr erfunden wurde. Uebrigens besitzen die sämmt-lichen Spiegelteleskope stets den Fehler, dass nach einiger Zeitdurch die Berührung mit der atmosphärischen Luft die Spiegelanlaufen und auf diese Weise die Helligkeit des beobachtendenGegenstandes vermindern. Bei fortgesetztem Gebrauch wirdnach mehreren Jahren ein solches Instrument, wenn man nichteine zweite, schwierige Politur der Spiegel vornimmt, gänzlichunbrauchbar.
Nach Verlauf einiger Zeit, nämlich um die Mitte d. v. Jahrh.,wurde auch dieses soeben beschriebene Teleskop verändert, dennGassegrain ersetzte den kleinen Hohlspiegel durch einen convexenoder sphärischen, wobei die sonstige Construction dieselbe blieb. Esist eigentlich schwer zu ergründen, welche Verbesserung C as segraindurch sein Spiegelteleskop beabsichtigte, da die Veränderung keineVortheile, weder in der Helligkeit noch in der Schärfe der Bilderdes beobachtenden Gegenstandes, gewährt, deshalb wurde auchdieses Teleskop niemals allgemein angewendet.
Die grossen Fortschritte und Entdeckungen auf dem Gebieteder Himmelskunde mussten endlich das Bedürfniss fühlbar machen,ein fehlerfreies, optisches Werkzeug zu erfinden, wodurch die vielenMängel beseitigt wurden, die man an den bis dahin bekanntenFernrohren wahrnahm. Bei genauen Beobachtungen wurden dieoft riesenhafte Länge derselben sowie ihre höchst unbequemeAufstellung und Handhabung, da man sie nicht immer nach allenGegenden des Himmels richten konnte, grosse Hindernisse. Wiebereits erwähnt, verlieren die Spiegelteleskope nach mehrerenJahren namentlich durch das Anlaufen des grossen Spiegels ihrenWerth, weshalb auch sie auf den Namen fehlerfreie Beobachtungs-instrumente keinen Anspruch machen können. Bei den Fernrohrenstellte sich noch ein anderer, schwer zu beseitigender Umstand ein,der anfänglich bei der mässigen Länge derselben nicht gleich wahr-genommen wurde und lange unbeachtet blieb. Es war die durchdie Temperatur bewirkte, ungleiche Einwirkung auf die verschie-denen Theile des Instruments, da die höher gelegenen Theile derSternwarte oder deren Zimmer meistentheils wärmer als die unterensind, die ungleiche Ausdehnung macht daher die Beobachtungenunsicher. Aber wäre es auch möglich gewesen, durch eine andereAufstellung alle diese Fehler zu beseitigen, so zeigte sich dochnoch eine zweite Unvollkommenheit, die sogenannte Farben-zerstreuung, wodurch alle leuchtenden Gegenstände mit farbigen