ERFINDUNG DES FERNROHRS.
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Contouren erscheinen. Diese war ebenfalls ein schwer zu ver-meidendes Hinderniss, das in dem Objectivglase und dessen Con-struction zu suchen war. Zwar gelang durch Newton’s schöneEntdeckung der Zerlegung des Sonnenstrahls in seine sieben Ele-mentarfarben die Ursache dieses Fehlers zu entdecken, doch schwerwar es denselben abzuändern.
Bei der sorgfältigen Untersuchung über die Undeutlichkeiten derBilder in den Fernrohren kam man noch auf eine zweite Unvoll-kommenheit derselben. Die von einem Punkte des zu beobachtendenGegenstandes ausgehenden Strahlen, die zum Objectivglase gelangen,vereinigen sich in dessen Brennpunkte nicht genau in einem ein-zigen Punkte, denn da dasselbe von zwei Kugelflächen begrenztwird, so haben die Strahlen, die durch den Mittelpunkt des er-wähnten Glases hindurchgehen, einen andern Yereinigungspunktals die von dem Bande desselben herkommenden. Es müssen dem-nach nahe dem Brennpunkte mehrere übereinanderliegende Bilder,die sich sämmtlich dem Auge durch eine undeutliche Contour desbeobachteten Gegenstandes darstellen, hervorgebracht werden.Dieser Fehler der Fernröhre, der unter dem Namen der sphärischenAbweichung bekannt ist, wird desto grösser, je mehr der Durch-messer des Objectivs und die Yergrösserung zunimmt. Man suchteanfänglich denselben dadurch zu beseitigen, dass man selbst beigrossen Brennweiten jenes erwähnten Glases dasselbe entwedernur von einem geringen Durchmesser anzufertigen sich bemühte,oder dasselbe mit einem Ringe umgab, der den Band verdeckte.Dadurch verlor aber das Bild an Lichtstärke, es wurde dunkler,denn die durch ein Fernrohr betrachteten Gegenstände erscheinenum so heller, je mehr Strahlen auf das Objectiv fallen und aufdiese Weise ein lichtstarkeres Bild hervorbringen. Aber gänzlichunvermeidbar schien der zuerst genannte Fehler, die Farben-abweichung ; derselbe wirkte auf die Präcision des Bildes im Brenn-punkte so stark, dass dasselbe niemals in seinen Umrissen farbloserschien. Die sieben Elementarfarben, die Newton im Sonnen-strahle fand, stellten sich auch in den Fernrohren an den Rändernder Bilder dar, so dass man bald einsah, der erwähnte Fehler liegean der Construction, liege an dem Glase, das dem Gegenstände beider Beobachtung zugekehrt ist, dem Objectivglase. Denn jeder far-bige Strahl bricht sich bei gleichen Farben unter gleichem Winkel,bei verschiedenen dagegen unter verschiedenen Winkeln im Glase,wodurch nahe dem Brennpunkte sieben verschiedene farbige Bildererscheinen, die eins auf dem andern liegend die Contour des beob-achteten Gegenstandes umgeben. Dieses wirkt noch störender