ERFINDUNG DES FERNROHRS.
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auf die Deutlichkeit des Bildes im Fernrohre als der früher er-wähnte Felder, der von der sphärischen Gestalt der Linsen abhängt.Denn es müsste im Brennpunkte des Objectivs ein Bild wahr-genommen werden, das deutlich und ohne farbige Umrisse denGegenstand darstellt, dessen scharfe Begrenzung am Himmel wahr-genommen wird. Selbst einem so hoch begabten Manne wieIsaak Newton gelang es nicht, durch eine andere Constructionder Objective diesem Fehler zu begegnen, er hielt es demnach fürdas Beste, die Fernröhre gänzlich zu beseitigen und an deren Stellesich der Spiegelteleskope zu bedienen.' Diese letzteren nannte erItefiectoren im Gegensätze der Fernröhre, denen er den NamenRefractoren gab. Diese seine neue Erfindung war gänzlich freivon den Fehlern der sphärischen Abweichung und Farbenzer-streuung, die Reflectoren erlaubten eine stärkere Vergrösserungbei gleicher Brennweite als die Fernröhre; die neuen Teleskopekonnten demnach bedeutend kürzer als jene sein. Wohl mag dergrosse Forscher den Gegenstand seiner Untersuchung nicht vomgehörigen Gesichtspunkte aus angesehen haben, wohl mochte einwunderbarer Fehlschluss ihn veranlasst haben, sich nicht mit einerneuen Construction der Objective zu beschäftigen, doch auch seineErfindung war von bedeutendem Erfolge im Verlaufe der Zeit.
Es mussten noch mehrere Jahre vergehen bis andere Gelehrtewieder an die Verbesserung der Fernröhre dachten und sie durcheine seltene Beharrlichkeit auch endlich erreichten. Diese Auf-gabe war zwar schwer und nur für wenige lösbar, denn es galthier eine neue Bahn zu brechen und eine Untersuchung zu beginnen,die selbst der grösste Mathematiker seiner Zeit nicht beendigenkonnte. Leonhard Euler, ein nicht so grosser Philosoph wieNewton, aber mit allen besonderen Fähigkeiten ausgestattet, dieauf allen Gebieten, worauf die Mathematik ihren Einfluss geltendmachen konnte, nöthig waren, gab auch hier, so wie er bereitssehr treffend die planetarischen Ungleichheiten berechnet hatte, zu-erst das Mittel an, eine andere und zweckmässige Anordnung derObjective an den Fernrohren vorzunehmen. Er ging von der Be-trachtung des menschlichen Auges aus, und gelangte zu demSchlüsse, es müsse möglich sein, jene beiden bereits erwähntenFehler der Objectivgläser zu beseitigen, da sie die Natur desmenschlichen Auges nicht Vorkommen lässt. Nach der Analogiedes Auges machte er den Vorschlag zwei Glaslinsen, die convex-concav sein müssten, für die Objective anzuwenden, sie mit ihrenconcaven Seiten zusammenzulegen und den hohlen Raum zwischenbeiden mit verschiedenen Flüssigkeiten auszufüllen. Wenig bemüht
Schorr, der Venusmond. 2