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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.

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Glasarten als nicht tauglich dazu an, die Mängel der früheren Fern-rohre aufzuheben, da die Brechungsyerhältnisse derselben ihmzu wenig verschieden vorkamen. Nur als er die Herstellung derachromatischen Fernröhre auf diesem Wege nicht piehr bezweifelnkonnte, untersuchte er die Theorie dieser optischen Werkzeugeund veröffentlichte die sich darauf beziehenden Berechnungen inseiner Dioptrik, die im Jahre 1769 in St. Petersburg erschien.Mehrere treffliche Untersuchungen dieses ersten Geometers seinerZeit folgten diesen gründlichen Auseinandersetzungen, so dass diespätere Vervollkommnung der Fernröhre sich auf eine wissen-schaftliche Theorie stützen konnte. Peter Dollond vereinigtesich mit seinem Schwager Ramsden und beide bemühten sichunablässig die schöne Erfindung der achromatischen Fernröhrenoch zu einem höhern Standpunkte zu bringen. Noch jetzt zeugendie von ihnen vorhandenen optischen Werkzeuge von ihren vor-züglichen Leistungen.

Die meisten ihrer Objective hatten nur eine Oeff'nung vonnahe 3 Zoll bei einer Brennweite von 3 bis 4 Fuss; dieselben be-standen grösstentheils im Gegensätze zu den früheren aus dreiLinsen, namentlich waren es zwei aus Crownglas und dazwischeneine von beiden Seiten hohlgeschliffene Linse aus Flintglas, dochlieferten sie auch Fernröhre, hei denen das Objectiv nur doppeltwar. Diese optische Werkstätte in London erlangte eine nochgrössere Berühmtheit, als Ramsden sich mit der Verfertigungder astronomischen Messinstrumente beschäftigte und eine besondereTheilmaschine erfand, wodurch die Eintheilung derselben eine sehrgrosse Genauigkeit erreichte.

Es gab gegen Ende des vorigen Jahrhunderts keine Stern-warte, die nicht Instrumente von P. Dollond und Ramsdenaufzuweisen hatte. Wohl musste aber auch der Ruf dieser Künstlersich überall verbreiten, denn die Wirkungen ihrer Fernröhre warenüberraschend. Der damalige Director der Seeberger Sternwartebei Gotha, Baron von Zach, beschrieb ein solches, indem er sagte:Das achromatische Objectiv des hiesigen achtfüssigen Ramsden-schen Mittagsfernrohrs ist nur zweifach und ich sehe den Polar-stern und Sterne erster Grösse, wie Sirius, Capella, Arcturus, zuallen Zeiten im Mittage ohne Mühe. Nur die tieferen Sterne, wieAntares, Füm-el-haut, kann ich nicht sehen, wenn sie mit der SonneZusammenkommen. Doch habe ich bisweilen bei besonders gün-stigem Himmel die Capella unter dem Pol im Mittage beobachtet.Zwei Stunden vor der Sonne erkenne ich Castor als Doppelstern.Aber auch kleinere Fernröhre derselben Optiker leisteten das

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