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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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20
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20 VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.

Ausserordentlichste, denn damals (1801) schrieb hierüber der fran- ^

zösische Astronom Mechain aus Paris:Den Regulus kann ich ^

eine Stunde, den Castor zwei Stunden, den Polarstern drei Stunden j

von der Sonne entfernt sehen und beobachten. Jedoch mit dem

Fernrohre meines ganzen Kreises, welches nur 18 Zoll Brennweiteund 18 Linien Oeffnung hat, sehe ich den Polarstern eine Stunde jj

vor und nach dem Mittage. Wie weit ich mit dem Itamsdenschen p

Mittagsfernrohr, welches ein dreifaches Objectiv hat, den Mer cur ^

verfolgen könnte, vermag ich nicht bestimmt zu sagen; mehrereVersuche sind schon misslungen. rp

Ramsden überlebte mehrere Jahre seinen Freund Dollondund nach dem Tode desselben ging die berühmte Werkstätte auf j

ihren ersten Arbeiter, Thomas Berge, über. Dieser kam jedoch ( j,

den früheren Künstlern nicht gleich und es machte ihm bald Le ^

Noir in Paris den Vorrang streitig. Die Theilungsmaschine Rams-dens erwarb dem Erfinder einen solchen Ruhm, dass die englische j ;)

Regierung ihm 1767 seine Methode, die astronomischen Instrumente ^

genau einzutheilen, abkaufte und sie darauf veröffentlichte. Es wardamals zur Ueberzeugung aller Astronomen geworden, dass man nurmit ganzen Kreisen genaue Messungen ausführen konnte, demnach jj

standen die ersten Instrumente, die nach diesem Principe construirt

waren, in grossem Ansehen; man schätzte sich glücklich, ein solches eg

optisch-mechanisches Meisterwerk zu besitzen. Deshalb wurden auch gc

der Kreis von 5 Fuss Durchmesser, den Ramsden 1788 für Piazzi inPalermo ablieferte, der Kreis von 8 Fuss für die Sternwarte von p

Paris und ein anderer von 11 Fuss für Brinkley in Dublin allge- ^

mein bewundert und die mit ihnen angestellten Beobachtungensind nicht nur noch jetzt von grossem Werthe, sondern sie för- j.

deuten auch bedeutend die Fortschritte der Astronomie. Nach j

dem Auftreten des Le Noir als optisch - mechanischer Künstlererhielt derselbe aus verschiedenen Ländern Bestellungen, doch y (

seine Arbeiten erreichten nie die Vollkommenheit, welche Dol- ^

lond und Ramsden ihren Instrumenten zu geben im Stande waren. g

Noch hatte sich in Deutschland während dieser Zeit Niemand j.

als optischer oder mechanischer Künstler Ruhm erworben, nurBrander in Augsburg verfertigte einige gelungene Instrumente,denn es schien, als wenn die Deutschen berufen wären, erst später y

mit ihren Leistungen hervorzutreten. Ein seltenes Ereigniss sollte f r(

am Anfänge dieses Jahrhunderts die Veranlassung werden, dass in en

München ein treffliches optisch-mechanisches Institut entstand. q (

Während Frankreich im westlichen Deutschland überall seine n0

Truppen siegen sah, machte endlich der Lüneviller Friede (9. Fehl'. c ]